Wie werde ich Autor*in?

Ist meine Geschichte gut? Wie finde ich einen Verlag? Wie alt muss ich sein, um ein Buch zu veröffentlichen? Autorin Kari Ehrhardt beantwortet diese und andere Fragen rund um den Beruf "Schriftsteller*in"!

Tipps & Tricks

Autor*in werden

Ein eigenes Buch zu schreiben, ist der Traum vieler Menschen. Doch bevor Du ein erfolgreicher Autor wirst und Deine eigenen Bücher in den Buchhandlungen liegen siehst, gibt es einiges zu beachten.
Kari Ehrhardt weiß bestens Bescheid: Sie hat bereits mehrere Bücher im Carlsen Verlag veröffentlicht. Die Autorin schreibt aber nicht nur Romane, sondern arbeitet außerdem als Online-Redakteurin, Texterin und Gutachterin. Außerdem gibt sie ihr Wissen über das Schreiben weiter: Sie veranstaltet regelmäßig Autoren-Workshops mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Ihre geballte Erfahrung gibt sie jetzt zum Besten und verrät Dir ihre Tricks und Tipps!

 

Schreibmaschine
Ideen finden

Wie kommen Autor*innen auf gute Ideen?

Kari Erhardt
Kari Erhardt

Die Frage kann man nicht allgemein beantworten. Jeder Autor hat eine eigene Methode, auf Ideen zu kommen. Vielen hilft es angeblich, sich beim Nachdenken zu bewegen. Manche gehen dafür mit ihren Hunden spazieren. Auch beim Essen kommen gute Ideen. Mir geht es zumindest so. Daher nehme ich auch immer etwas zu, wenn ich gerade ein neues Buch plane. Es gibt noch ein paar Aktivitäten, bei denen man auf gute Ideen kommen kann: Musizieren, mit Freunden sprechen, Busfahren, lesen und auch Träumen. Sogar Fernsehen kann einen inspirieren.

Wichtig: Gute Ideen immer gleich aufschreiben, sonst vergisst man sie bald wieder.

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Durchhalten!

Wie schaffe ich es, aus meinen Ideen ein fertiges Buch zu machen?

Ein einfaches Rezept gibt es dafür leider nicht. Aber ein paar Durchhaltetipps hätte ich schon:

  • Vor dem Schreiben ein Dokument anlegen, in dem Du die Hauptfiguren notierst und den Plot deines Buches auf ca. 1-3 Seiten aufschreibst. Das bringt Struktur in Dein zukünftiges Werk.
  • Feste Schreibzeiten (z.B. Samstagmittags, oder jeden Tag nach dem Abendbrot)
  • Ein kleines Schreibtagebuch führen (Aufschreiben, wieviel Du schon geschafft hast, was Dir Schwierigkeiten macht, was Dir Spaß gemacht hat etc.)
  • Austausch mit anderen Schreiberlingen (z. B. im Internet auf der Plattform hierschreibenwir.de)
  • Ein Zieldatum festlegen, an dem Du Dein Manuskript fertig haben willst.
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Schreibblockaden überwinden

Irgendwie komme ich gerade überhaupt nicht weiter mit meinem Buch. Ich glaube, ich habe eine echte Schreibblockade. Was soll ich jetzt machen?

Dann nix wie weg vom Schreibtisch! Blockaden lösen sich nicht, wenn man sich nur noch anstrengt. Du brauchst zunächst eine Schreibpause. Dann solltest Du irgendwelchen Quatsch schreiben. Das ist kein Scherz! Einfach drauf los zu schreiben, kann super helfen, um sich warm zu schreiben. Plötzlich kommen einem wieder gute Ideen.

Sollte das alles nichts helfen und die Blockade lange Zeit andauern, ist es wichtig, sich die folgende Fragen zu stellen:

  • Macht mir dieses Thema wirklich Spaß?
  • Schreibe ich das Buch, weil ich Lust darauf habe, oder will ich mir etwas beweisen?
  • Ist mir das Schreiben eigentlich zu viel und möchte ich lieber andere Sachen machen?

Es ist okay, wenn Du merkst, dass Du Dir zu viel vorgenommen hast. Und es kommt auch bei Profis vor, dass sie beim Schreiben merken, dass ihnen das Thema nicht liegt. Man kann den Text ja in eine Mappe legen und ihn ein paar Jahre später wieder rausholen. Oder man fängt ein neues Thema an.

Hauptsache, das Schreiben artet nicht in Stress aus!

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Die richtige Erzählperspektive

Ich fange gerade mit meinem ersten Buch an. Jetzt überlege ich, die Hauptfigur selbst erzählen zu lassen. Ist das gut, oder sollte es lieber in der er/sie-Form geschrieben werden?

Es gibt da keine gute oder schlechte Variante. Es kommt letztlich darauf an, dass es zu dem passt, was Du sagen willst. Ich versuche das mal mit Beispielen zu erklären:

Du möchtest ein Buch schreiben, in dem Dir besonders die Gefühle und Gedanken Deiner Hauptfigur wichtig sind? Du möchtest emotional nah an der Figur sein und ihre Gedanken zeigen? In diesem Fall wäre die Ich-Form die beste, weil Du dem Leser so die Gedanken praktisch "live" vermitteln kannst.

Du willst dem Leser mehr über die Figuren erzählen, als sie selbst wissen? Du willst Spannung erzeugen, indem Du Vorausdeutungen machst? Du willst eine Distanz zu der Figur schaffen? Dann solltest Du einen allwissenden Erzähler einsetzen. Jemanden, der schon weiß, was passieren wird. Da kannst Du dann z. B. Sätze schreiben wie "Lena machte die Tür auf. Sie wusste nicht, dass sie diese Tat später bereuen würde. Ohne zu wissen, welche Gefahr sich hinter der Tür verbarg, drückte sie die Klinke. Im selben Augenblick sprang Toni am anderen Ende des Geländes von dem Holzstapel." (Hier weiß der Erzähler mehr als die Figuren und kann von einer Figur zur anderen schwenken wie eine Kamera).

Schreibe doch einfach mal die erste Seite deines Buches in der Ich-Form und dann mit einem außenstehenden Erzähler. Dann merkst Du, was Dir besser gefällt.

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Die Hauptfigur zum Leben erwecken

Meine Freundin findet meine Geschichte super, aber sie meint, dass die Hauptfigur etwas langweilig ist. Wie kann ich die Figur verbessern?

Lege Dein Buch mal beiseite und mache ein paar Übungen:

  • Steckbrief Deiner Figur
  • Tagebucheintrag Deiner Figur
  • Das geheime Schatzkästchen Deiner Figur
  • Deine Figur im Stärken-Schwächen-Vergleich

Dabei kommst Du dem Charakter näher. Du musst Deine Figuren nämlich richtig gut kennen. Wenn Du Dir über alle Stärken und Schwächen im Klaren bist und auch kleine Details aus dem Leben der Figur kennst, kannst Du sie auch überzeugend darstellen.

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Besser schreiben

Hast Du ein paar Tipps für mich, wie ich besser schreiben kann?

Es gibt eigentlich immer ein paar Dinge, die man tun kann, um besser zu werden:

  • Wichtig: Viel lesen!!
  • Sich stets Notizen machen
  • Üben, üben, üben (sich selbst Aufgaben stellen)
  • Verschiedene Stile/Gattungen/Genres ausprobieren
  • Sich Zeit zum Schreiben nehmen
  • Eigene Texte nach ein paar Tagen erneut überarbeiten (ausgedruckt)
  • Genug Zeit einplanen
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Ist "Schriftsteller" ein richtiger Beruf? Also kann man das lernen? Und: Kann man davon leben?

Die Antwort ist ein schwammiges "jein". So richtig leben kann man davon nämlich nicht. Wenn man noch zu Hause wohnt, wenig Ausgaben hat und ein sehr, sehr erfolgreiches Buch schreibt, kommt man damit vielleicht zurecht.

Aber generell muss man schon nebenbei arbeiten. Ich schreibe circa zwei bis drei Bücher pro Jahr und arbeite nebenbei noch freiberuflich als Online-Redakteurin, Gutachterin und Texterin. Anders könnte ich meine laufenden Kosten gar nicht decken. Mittlerweile verdiene ich durch die Bücher allerdings so viel, dass ich hauptberuflich schreiben kann. Das heißt, ich verbringe die meiste Zeit mit Schreiben. Früher war es umgekehrt.

Wenn man also gern schreiben möchte, sollte man eine gute Berufsausbildung machen und sich einen Job suchen, der einem Spaß macht. Dann kann man in den Ferien und in der Freizeit schreiben. Wird das Buch dann ein Erfolg, kann man überlegen, nur noch Teilzeit zu arbeiten ... oder eben zu jobben.

Ein Autorenstudium haben übrigens die wenigsten Autoren. Man kann allerdings bei verschiedenen Akademien Kurse belegen. Da ich nur einen Autor kenne, der das gemacht hat, kann ich leider nicht viel darüber berichten.

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Ich habe einen Fanfiction-Roman über Bella und Edward geschrieben und eine längere Geschichte über Harry Potter. Kann ich das veröffentlichen lassen?

Nein, Fanfiction kann man leider nicht veröffentlichen lassen. Das liegt daran, dass die Charaktere in den Büchern urheberrechtlich geschützt sind. Nur Joanne K. Rowling darf Geschichten mit Harry Potter schreiben und nur Stephenie Meyer darf ihre Bis(s)-Bücher verfassen.

Ausnahmen gibt es dann, wenn der Autor seit über 70 Jahren verstorben ist und die Urheberrechte an dessen Geschichten freigegeben wurden. Das ist aber rechtlich alles ganz schön kompliziert. Wer veröffentlichen will, sollte sich also eine eigene Welt mit eigenen Figuren ausdenken.

Aber: Trotzdem ist es sinnvoll, Fanfiction zu schreiben! Es ist nämlich eine sehr gute Schreibübung, wenn man den Stil und den Aufbau von Profi-Autoren imitiert. Meine Freundinnen und ich haben uns früher auch gegenseitig eigene Harry Potter-Kurzgeschichten geschrieben. Dabei habe ich viel gelernt!

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Woher weiß ich, ob mein Buch gut ist?

Wenn man diese Frage einfach beantworten könnte, gäbe es sicherlich viel mehr Bestseller. Die Meinungen und Geschmäcker gehen aber in der Realität ziemlich auseinander. Der eine Leser wird Dein Buch lieben, der andere wird es langweilig finden. So ist das nun einmal.

Wenn Du Dir Testleser suchst, musst Du bedenken, dass sie vielleicht einen anderen Geschmack haben als Du. Bitte sie jedoch, ganz ehrlich und streng zu sein. Sie sollen Dir auf jeden Fall Antworten auf die folgenden Fragen geben:

  • Ist mein Buch spannend geschrieben?
  • Gibt es unlogische/verwirrende Stellen?
  • Sind die Personen im Buch interessant/sympathisch/vielseitig?
  • Wie hat Dir mein Schreibstil gefallen?
  • Gibt es noch Lücken im Text?
  • Würdest Du das Buch kaufen?
  • Hat Dich etwas in der Geschichte gestört?

Eltern neigen übrigens dazu, die Texte ihrer Kinder automatisch toll zu finden. Daher sind sie manchmal keine guten Kritiker. Vielleicht kannst Du stattdessen Deine Deutschlehrerin/Deutschlehrer fragen. Auch Freunde von Dir können mit Kritik und Anregungen helfen.

Wichtig: Gib Dein Buch nicht irgendwelchen Fremden in die Hand. Sonst schicken sie das am Ende noch unter ihrem Namen an einen Verlag.

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Ich bin noch nicht volljährig, habe aber schon ein Buch geschrieben. Würde ein Verlag das drucken?

Wenn Dein Buch so richtig gut ist und auch noch ins Programm passt, sollte Dein Alter kein großes Hindernis sein. Allerdings musst Du Dich natürlich auch gegen die erwachsene Konkurrenz durchsetzen. Außerdem ist es nicht ganz einfach, ein Buch zu veröffentlichen.

Du musst es ja nicht nur schreiben, sondern auch mit dem Lektorat überarbeiten. Dafür brauchst Du viel Zeit (!) und die Terminpläne der Verlage sind sehr streng. Eventuell wird das neben der Schule sehr stressig, da Du ja trotzdem weiterhin Tests und Arbeiten schreiben musst und Hausaufgaben bekommst.

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Ist es denn schwer, einen Verlag zu finden, der mein Buch nimmt?

Ehrlich gesagt ist es sehr schwer, einen Verlag zu finden. Das liegt schon allein daran, dass unheimlich viele Leute schreiben. Die Verlage bekommen täglich ganze Berge von Manuskripten. Sie schaffen es manchmal kaum, rechtzeitig zu antworten.

Oft bekommen Autoren Absagen, weil sie ein Thema einreichen, das es schon zu oft gibt oder weil ihr Titel nicht ins Programm passt (die haben dann z. B. einen Krimi an einen Verlag für Liebesromane geschickt).

Natürlich gibt es auch dann eine Absage, wenn das Buch nicht gut geschrieben ist. Daher solltest Du vor dem Abschicken Deines Manuskripts die folgenden Punkte abchecken:

  • Gibt es schon Bücher, die meinem sehr ähnlich sind?
  • Passt mein Buch wirklich in das Programm des Verlags?
  • Habe ich die Geduld bis zu sechs Monate auf eine Antwort zu warten?
  • Ist meine Geschichte wirklich gut?
  • Habe ich meine Geschichte auch sprachlich gut umgesetzt?
  • Wenn alles stimmt, kannst Du loslegen.
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Woran erkenne ich einen guten Verlag?

Einen seriösen Verlag erkennst du daran, dass er kein Geld von dir haben will!!

Im Gegenteil: Du bekommst einen richtigen Vertrag, in dem geregelt wird, wie viel Geld der Verlag Dir zahlt, wenn Dein Buch veröffentlicht wird. Du solltest niemals Geld dafür bezahlen, dass ein Verlag Dein Buch annimmt. Ich wiederhole: NIEMALS!

Die einzige Ausnahme: Books on Demand. Die sind nämlich eher so etwas wie eine "Druckerei für Jedermann". Der Vorteil: Dein Buch wird veröffentlicht und kann online bestellt werden. Der Nachteil: Du musst für den Druck bezahlen und vom Cover bis hin zur Werbung alles selbst machen. Außerdem gibt es kein Lektorat.

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Mein Buch ist gerade fertig geworden. Jetzt möchte ich es an einen Verlag schicken. Wie geht das?

  • Schaue Dich im Internet und im Buchhandel um: Welche Verlage gibt es?
  • Vergleiche das Angebot der Verlage mit Deinem Buch. Wo passt es hin? Welcher Verlag könnte Dein Buch gut finden?
  • Erkundige Dich bei dem Verlag, wie Du Dein Buch einschicken sollst. Es gibt da verschiedene Richtlinien. Manche Verlage nehmen nur E-Mails an, andere nur ausgedruckte Manuskripte. Manche wollen nur eine kurze Leseprobe, andere wiederum ganze Kapitel.
  • Schreibe ein Exposé. Das ist so etwas wie eine Bewerbung für Dein Buch. Es enthält ein Anschreiben an den Verlag, eine kurze und eine etwas längere Inhaltsangabe Deiner Geschichte und eine Leseprobe.
  • Schicke Dein Exposé möglichst an mehrere (passende) Verlage.
  • Übe Dich unbedingt in Geduld! Wenn Du das Exposé abgeschickt hast, musst Du warten bis der Verlag sich meldet. Das kann bis zu sechs Monaten dauern.
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Ich bin so traurig. Ich habe von allen Verlagen Absagen bekommen! Was mache ich denn jetzt?

Eine Absage tut immer weh! Du darfst also ruhig traurig sein. Aber denke daran, dass das noch lange nicht heißt, dass Dein Buch schlecht ist. Vielleicht passte es nicht ins Programm?

Vielleicht wurde gerade ein ähnliches Buch eingeschickt und angenommen? Vielleicht muss es einfach noch bearbeitet werden?

Wichtig ist, dass Du Dich nicht entmutigen lässt. Leute, die vom Pferd fallen, sollen wieder aufsteigen. So ist es auch mit dem Schreiben. Bekommt man eine Absage, darf man nicht einfach aufgeben. Überlege Dir, was Du an Deinem Schreibstil und Deinen Ideen verbessern kannst. Nur wenige Autoren veröffentlichen ihr ersten Buch. Oft ist es erst das zweite, dritte oder gar vierte, das angenommen wird.

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Was passiert denn, wenn mein Buch tatsächlich von einem Verlag genommen wird?

Dein Buch vom Verlag genommen werden, wird man Dir früher oder später einen Autorenvertrag schicken. Darin wird festgelegt, was du machen musst, was du bezahlt bekommst und welche Rechte damit verbunden sind.

Ist der Vertrag unterschrieben, wird ein Lektor oder eine Lektorin Dein Buch bearbeiten. Es wird sehr, sehr gründlich gelesen, damit alle Schwächen beseitigt werden können.

Nach dem Gespräch mit der Lektorin musst Du Dein Buch überarbeiten. Das ist eine harte Arbeit!

Ist alles überarbeitet, geht der Text in die sogenannte Herstellung und dann in die Setzerei. Dort wird der Text in die Form gebracht, die er später im Buch haben soll – mit der richtigen Schriftart und mit Seitenzahlen, Absätzen und Kapitelüberschriften.

Die Setzerei schickt den Text dann zurück an Dich. Du musst ihn nun gründlich prüfen und bestimmt noch einige Kürzungen im Text vornehmen. Manchmal muss man den Text zwei oder drei Mal durchlesen und auch bis zu drei Mal kürzen. Zeitgleich liest ein Korrektor den Text durch. Seine Aufgabe ist es, Rechtschreibfehler und Grammatikfehler zu finden.

Ist alles erledigt, geht Dein Text in die Druckerei. Das Lektorat hat währenddessen einen Illustrator für das Cover gesucht und einen Text für den Buchrücken verfasst. Und das Lektorat (manchmal auch das Marketing) sucht auch einen Titel für Dein Buch aus.

Die Druckerei druckt das Buch und liefert es an ein Großlager. Von dort aus werden die Buchhandlungen beliefert - und die ersten Kunden können Dein Buch kaufen!

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