Interview mit Mangaka Daisuke Hiyama

Du wolltest schon immer mal wissen, wer hinter dem Harem-Comedy Manga PETER GRILL AND THE PHILOSOPHER'S TIME steckt? Mangaka Daisuke Hiyama hat uns einen tollen Einblick in seine Arbeit gegeben und erklärt unter anderem auch, was Pferde mit seiner Idee für seine Story zu tun haben.

Blick hinter die Kulissen

Interview mit Zeichner Daisuke Hiyama

Bei PETER GRILL AND THE PHILOSOPHER‘S TIME ist bereits Band 3 im Handel! Da möchten wir natürlich auch ein wenig mehr vom Autor des verrückten Manga aus dem Hayabusa Programm herausfinden. Lest hier Daisuke Hiyama in die Arbeit an seinem frivolen Fantasy-Comedy-Werk gab.

Dieses Interview ist zuerst im AnimaniA-Magazin erschienen. Wir freuen uns, dass wir es hier unseren Fans zur Verfügung stellen dürfen.

Hallo Herr Hiyama, und vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für ein Interview nehmen!  In der Geschichte PETER GRILL AND THEPHILOSOPHER‘S TIME muss sich der Held Peter Grill einiger paarungswütiger Damen erwehren, die es auf sein Erbgut abgesehen haben – wie kamen Sie auf die Idee zu dieser ungewöhnlichen Story? 

Hiyama: Ich mochte als Kind ein Videospiel namens Derby Stallion (ein Pferderennspiel, das auch die Zucht beinhaltet). Ich weiß nicht, ob dieses Spiel mich beeinflusst hat, aber als ich mir vornahm, einen Harem-Manga zu zeichnen, kam mir die Rolle des Zuchthengst in den Sinn. Und wenn dessen Stamm auch noch von der Leistung her hervorragend wäre, quasi wie Super-Man, dann müssten die Frauen sich ja förmlich auf ihn stürzen! So war die Idee dieser Geschichte geboren. Ursprünglich war Peter Grill eine Shortstory, die ich für eine Anthologie gezeichnet hatte. Ein Redakteur von Futabasha hat diesen Manga dann gesehen und so kam es, dass daraus eine Serie wurde.

PETER GRILL AND THE PHILOSOPHER‘S TIME ist eine Harem-Comedy, die zwar auf lustige Weise, aber dennoch sehr direkt das Thema Sex behandelt. Gab oder gibt es für Sie beim Schreiben irgendwelche Tabus, also bestimmte Dinge, die Sie bei aller Ungezwungenheit nicht thematisieren oder darstellen würden?     

Hiyama: Es gibt keine bestimmten Themen, bei denen ich von vorneherein sagen würde, dass ich sie niemals darstellen würde. Aber grundsätzlich handelt es sich bei dem Werk ja um Comedy. Daher versuche ich, statt den Inhalt erotisch zu machen, diesen eher durch unanständige Witze lustig zu gestalten. Es gibt aber auch einige Dinge, die von meinem Redakteur aus Tabu sind, wie etwa die bildliche Darstellung von Brustwarzen.

Wie gehen Sie grundsätzlich beim Entwerfen einer Story vor?  

Hiyama: Bei Peter Grill lege ich zum einen Wert auf Charaktere, bei denen es Spaß macht, zuzuschauen, und zum anderen auf die vergeblichen Versuche von Peter, denen man wiederum kaum noch zuschauen kann. Und: Es mögen zwar Dummköpfe vorkommen, aber es ist eine friedliche Welt ohne Bösewichte.

Welche Rolle spielt bei alldem Ihr Redakteur?

Hiyama: Unsere Zusammenarbeit sieht allgemein so aus: Zunächst erzähle ich dem Redakteur den einfachen Plot, danach zeichne ich das Storyboard, das wiederum vom Redakteur gecheckt wird. Basierend darauf diskutieren und korrigieren wir den Inhalt. Es kommt auch vor, dass ich der Meinung des Redakteurs folgend die Story verändere: Mal soll ich darauf achten, dass die Story etwas hat, das die Leser anzieht, mal soll es nicht zu ernst werden oder es soll kein böser Charakter vorkommen.

Von Juli bis September 2020 wurde PETER GRILL AND THEPHILOSOPHER‘S TIME von Studio Wolfsbane als zwölfteilige Anime-Adaption von. Inwieweit waren Sie in die Produktion involviert?  

Hiyama: Grundsätzlich überließ ich alles dem Anime-Team, habe aber sämtliche Drehbücher, Concept Arts und Storyboards gecheckt und, soweit ich mich erinnere, um einige Verbesserungen gebeten. Es ging dabei um die Sprechweise der Charaktere oder dass man darauf achtet, dass Luvelia nicht zu bemitleidenswert wird. Ich habe auch das Synchronstudio besucht. Es war eine schöne Erfahrung für mich.

Wie ist Ihr genereller Eindruck von der animierten Umsetzung Ihres Mangas?

Hiyama: Die attraktiven Charaktere und die Darstellung durch die Synchronsprecher – es gibt sehr viele wunderbare Punkte. Ich bin sehr zufrieden mit der Anime-Umsetzung und kann mir gut vorstellen, wie viel Mühe sich das Produktionsteam gegeben haben muss. Wenn ich noch einen Wunsch hätte, dann den, dass es eine zweite Staffel gibt – das wäre super!

Wie sieht für Sie ein typischer Arbeitstag aus?

Hiyama: Die tägliche Arbeitszeit ist unterschiedlich, aber meistens arbeite ich etwa 8 bis 12 Stunden pro Tag, und das hauptsächlich nachts. Derzeit habe ich zwei Assistenten, die mir vor allem beim Zeichnen der Hintergründe helfen oder beim Zusammenfügen der finalen Bilder. Müsste ich das alles allein machen, wäre eine Serie unmöglich. Sie sind mir eine große Hilfe.

Wie gehen Sie beim Zeichnen vor und welche Werkzeuge benutzen Sie?

Hiyama: Zunächst sortiere ich Plot und Dialoge in einer Notiz als Textdokument. Basierend auf dem Plot fange ich mit dem Paneling an. Nur diesen Teil zeichne ich nach wie vor analog auf Papier. Davon ausgehend arbeite ich das Storyboard aus. Ab hier passiert alles digital. Dabei be-nutze ich ein Grafiktablett mit Display und die Software Clip Studio. Die zeichnerische Arbeit ist sehr viel einfacher geworden, seit ich digital arbeite.

Welchen Tipp fürs Paneling können Sie dem Mangaka-Nachwuchs geben?

Hiyama: Beim Paneling achte ich auf zwei Punkte: dass es für den Leser einfach zu verstehen ist und ein gutes Tempo hat. Große Panels nutze ich für die Darstellung von Emotionsveränderungen der Figuren, große Positionsänderungen der Kamerasicht oder wenn sich die Szene komplett ändert. Es kommt auch vor, dass ich große Panels für Erklärungen nutze, die ich ansonsten auf mehrere Seiten verteilen müsste. Kleine Panels nutze ich, wenn es keine großen Veränderungen in den Tätigkeiten der Charaktere oder den Dialogen gibt, oder wenn die Kamera einfach nur ran- oder rauszoomt. Wenn eine Szene langwierig wird, fasse ich auch mehrere Panels zusammen oder lasse sie weg, damit es beim Lesen nicht langweilig wird, bis das nächste große Panel erreicht ist. Grundsätzlich achte ich darauf, dass alles simpel bleibt, damit die Entwicklung bis zur Situation, die dargestellt werden soll, nicht zu kompliziert wird, da sonst das Pacing gestört würde.

Worauf achten Sie bei der Darstellung von Comedy-Situationen?

Hiyama: Das ist wirklich schwierig zu beantworten, denn wie man etwas lustig findet, ist je nach Person ja unterschiedlich. Ich achte höchstens darauf, die Darstellungen eher zu über- als zu untertreiben. Ich glaube, es hilft sehr, wenn man das, was man selbst bisher gehört oder gesehen hat und lustig fand, analysiert. In dem Zusammenhang kann ich empfehlen, beim Schauen auf die Wortwahl oder den Aufbau bis hin zum Comedy-Moment zu achten.

Welche Autoren und Werke haben Sie in Ihrer Arbeit als Mangaka geprägt?

Hiyama: Wahrscheinlich habe ich mich am meisten beeinflussen lassen von dem Manga, den ich seit meiner Kindheit lese: Kochira Katsushika-ku Kameari Koen Mae Hashutsujo. Allerdings weniger in Bezug auf den den Zeichenstil, sondern eher hinsichtlich des Panelings und Aufbaus.

Was machen Sie, wenn Sie mal nicht am Zeichentisch sitzen?

Hiyama: Meine Hobbys sind Surfen, Snowboarden, Pferdereiten, Klavierspielen... So hätte ich gerne geantwortet, aber leider habe ich keine solchen Hipster-Hobbys, sondern bin ein hoffnungslos durchschnittlicher Typ, der gerne zu Hause rumhockt und Games zockt, liest und Filme schaut. Wahrscheinlich leide ich an chronischem Vitamin-D-Mangel. (lacht)

Haben Sie noch eine Manga-Empfehlung?

Hiyama: Ich kann Shigurui empfehlen, darin wird das alte Japan, so wie es war, dargestellt.

Herr Hiyama, nochmals vielen Dank für das Interview und alles Gute! 

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Wie zum heiligen Lauch übersetzt man sowas?

PETER GRILL AND THE PHILOSOPHER's Timelebt nicht nur von seinen schrägen Figuren und Bildern, sondern vor allem von seinem sprachlichen Witz. Eine große Herausforderung für Übersetzer Martin Gericke, der schon viele Manga für den Carlsen Verlag ins Deutsche übertragen hat. Wir haben mit ihm über seine Arbeit gesprochen.

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