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Fünfter Jahrestag der Katastrophe in Fukushima: Interview mit "Reaktor 1F"-Autor Kazuto Tatsuta

Zum Fünften Jahrestag der Katastrophe in Fukushima stellte die CARLSEN MANGA!-Redaktion dem Zeichner von "Reaktor 1Feinige Fragen.

Eine Schreckensnachricht ging am 11. März 2011 um die Welt: Nach einem Erdbeben und einem Tsunami an der Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshū begann im nahegelegenen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi eine Unfallserie ungeahnten Ausmaßes. In drei Reaktorblöcken kam es zu Kernschmelzen, die große Mengen an radioaktivem Material freisetzten. 170.000 Menschen wurden evakuiert, hunderte kamen ums Leben. Die Atomkatastrophe in Fukushima jährt sich 2016 zum fünften Mal und es ist noch nicht absehbar, ob und wann das verseuchte Gebiet wieder bewohnbar sein wird.

 

Mit Kazuto Tatsutas "Reaktor 1F" ist eine einmalige Dokumentation der Ereignisse in Manga-Form erschienen. Das auf drei Bände angelegte Werk präsentiert die Erlebnisse eines Aufräumarbeiters vor Ort. In seinem Bericht verwischt Kazuto Tatsuta die Grenze zwischen Unterhaltung und Journalismus. Als Augenzeuge ist es dem Mangaka möglich, die Arbeit im Kraftwerk nach dem Super-GAU detailgetreu zu schildern ─ und auch die Stimmung unter den Kollegen einzufangen.

Kazuto Tatsuta arbeitet unter Pseudonym. Nur einige wenige Journalisten und sein Verlag Kodansha, der die Geschichte im japanischen Magazin MORNING als Serie vorveröffentlicht hat, kennen seine Identität. In einem TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks ist der Zeichner bei seiner Arbeit zu sehen.

Die CARLSEN MANGA!-Redaktion hatte darüber hinaus die Gelegenheit, dem Zeichner einige Fragen zu stellen:

Was war zuerst da: Die Idee, im Reaktor 1F zu arbeiten oder die Idee, einen Manga über die Katastrophe in Fukushima zu zeichnen?

Ich suchte einen Job im Katastrophengebiet (hätte ebenso gut in Miyagi, Iwate oder Ibaraki sein können), letztendlich hat es mich dann aber direkt ins Werk Fukushima 1 verschlagen. Und nein, ich habe meine Arbeit nicht mit dem Vorsatz angetreten, darüber einen Manga zu machen. Aber als Zeichner beschlich mich dann doch die Frage, ob ich einige interessante Erfahrungen nicht im Manga festhalten sollte. Tatsächlich hatte Fukushima 1 meine Neugier am stärksten entfacht. Wenn es sich dort nicht lohnte, wo dann? Insofern hatte ich großes Glück, auch dort einen Job zu finden.

Auf welche Weise haben die Erfahrungen durch die Arbeit in Fukushima Ihr Leben beeinflusst?

Ich habe mehr Freunde und Bekannte, und die Liebe zur Region Fukushima ist gewachsen. Auch jetzt, wo ich nicht im Kernkraftwerk arbeite, besuche ich sie oft. Vielleicht werde ich eines Tages dort hinziehen.

Hatten Sie jemals Angst, durch die Arbeit im Reaktor krank zu werden?

Nein, und ich hatte auch nie Angst davor, gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Bisher habe ich eine Gesamtstrahlendosis von 30mSv angehäuft. Auch wenn ich damit unter Einhaltung der vorgeschriebenen Strahlenmenge weiterarbeiten würde, bestünde kein Grund zur Sorge, denke ich. Sollten bei mir schon Anzeichen von Strahlungsschäden auftreten, dann müssten sie bei anderen Leuten, die schon länger mit Radioaktivität zu tun haben, erst recht auftreten. Aber davon ist mir nichts bekannt. Doch solange dazu keine wissenschaftlich fundierten Daten in die Öffentlichkeit gelangen, wird es wohl auch weiterhin Bedenken hinsichtlich der entsprechenden Berufe geben.

Sie durften wegen der Strahlung nur eine begrenzte Zeit am Stück in Fukushima arbeiten und haben in den Pausen am Manga gearbeitet. War es immer einfach, Ihre praktischen Erfahrungen direkt aufs Papier zu bringen? Oder brauchten Sie nach jeder Arbeitsperiode einige Zeit (um Inspiration zu sammeln, Absprachen mit dem Verlag zu treffen etc.), bevor Sie weiterzeichnen konnten?

Für mich war es sinnvoller, die Erfahrungen zu Papier zu bringen, solang sie noch frisch und lebendig waren. Also möglichst schnell und ohne Pause. Außerdem wollte ich meine Leser nicht zu lang warten lassen. Allerdings kostete es mich jedes Mal Mühe, wieder zurück zum Zeichnen zu finden, nachdem ich mich an das Leben als Arbeiter auf Fukushima 1 gewöhnt hatte.

Arbeiten Sie immer noch in Fukushima, jetzt, nachdem Sie die Arbeit an “Reaktor 1F” abgeschlossen haben?

Nachdem ich "1F" abgeschlossen hatte, habe ich nicht mehr in Fukushima gearbeitet. Aber ich habe bei verschiedenen Firmen vorgesprochen und sie gebeten, mich zu benachrichtigen, wenn es Arbeit gibt. Sollte ein Angebot kommen, werde ich es annehmen.

Warum haben Sie den Manga mit Band 3 enden lassen? Ist alles, was sie erzählen wollten, gesagt?

Nennen wir es so: Der Manga hat einen Punkt erreicht, an dem ich am Arbeitsplatz keine neuen Erfahrungen mehr gemacht habe. Daher gönne ich mir erst mal eine Pause. Zu sagen gäbe es viel mehr, als ich im Manga ausdrücken könnte. Warum ihn also unnötig in die Länge ziehen? Ich kann mich ja auch in Zukunft noch gelegentlich in dieser oder jener Form zu dem Thema äußern. Drei Bände sind darüber hinaus eine überschaubare Menge. Selbst wenn man sie auf einmal kauft, belastet das den Geldbeutel nicht zu sehr. Ich hoffe, dass die Serie viele Menschen aus aller Welt erreicht.

Würden Sie sagen Ihr Werk, ein nicht-fiktionaler Manga, steht in der Tradition anderer nicht-fiktionaler/autobiografischer Manga-Arbeiten?

Vielleicht wäre Reportage treffend. Aus meiner Sicht aber handelt es sich einfach nur um persönliche Aufzeichnungen, um ein Tagebuch sozusagen, das letztendlich das Prädikat Reportage erhalten hat.

Gibt es andere Mangaka, die Ihre Art zu zeichnen oder zu erzählen, beeinflusst haben?

Mir fällt kein Autor oder Zeichner ein, der mich speziell in diesem Genre der authentischen Manga beeinflusst hätte. Vielleicht gab es da welche, deren Stil ich unbewusst mit aufgenommen habe, ich weiß es nicht. Wer mich aber generell als Manga-Zeichner beeinflusst, ist Hiroshi Hirata mit seinen historischen Comic-Romanen, ein großer Künstler. Er würde sicher auch in Europa gut ankommen (falls er es nicht schon tut).

Was denken Sie über die Entscheidung der japanischen Regierung, die nach der Katastrophe abgeschalteten Atomkraftwerke wieder hochzufahren, anstatt, z.B. in alternative Energien zu investieren?

Nach der Reaktor-Stilllegung auf Fukushima 1 bin ich in Sachen Kernkraft geteilter Meinung. Und ich finde, dass es hier auch verschiedene Stimmen geben sollte. Insofern habe ich zur Zukunft der Kernkraft nichts zu sagen. Tatsächlich aber macht es mich sprachlos, wie manche Gegner vor lauter Idealismus die Schäden durch den Reaktorunfall bis zum Exzess hochspielen und Ängste vor Gefahren schüren, die es gar nicht gibt. Sie benutzen das Unglück für irgendwelche politischen Anschauungen oder Bewegungen. Ich wünschte, dass das aufhört.

Tags: Presse, Manga
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