Thomas Feibel

Autor*in
Thomas Feibel

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Thomas Feibel (Jahrgang 1962) ist der führende Journalist zum Thema »Kinder und Computer« in Deutschland. Er leitet das »Büro für Kindermedien« in Berlin und publiziert u. a. in »c't«, »familie&co« sowie »Dein Spiegel« und arbeitet auch für Hörfunk und Fernsehen. Er hält viele Vorträge, gibt Workshops und hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.

Für »Like me – Jeder Klick zählt« erhielt Thomas Feibel den Leipziger Lesekompass 2014. Im selben Jahr wurde er von Bibliothek & Information Deutschland (BID) für seine Arbeit zur Leseförderung und Vermittlung elektronischer Medien für Kinder und Jugendliche mit der Karl-Preusker-Medaille ausgezeichnet.

Weiteres Pressematerial

Ansprechpartner*innen, weitere Downloads und Informationen finden Sie hier.
Karl-Preusker-Medaille 2014 für die Arbeit zur Leseförderung und Vermittlung elektronischer Medien für Kinder und Jugendliche
Leipziger Lesekompass 2014 (für "Like me - Jeder Klick zählt. ")

Lieber Herr Feibel, Ihr Buch "Mach deinen Der Medienführerschein" richtet sich nicht an Jugendliche, die bekanntlich nonstop in Chatgruppen unterwegs sind, sondern an Grundschulkinder. Ist das nicht etwas früh?

Kinder verfügen heute bereits in der 2. und 3. Klasse über ein eigenes Smartphone. „Mach deinen Medienführerschein“ liegt vor allem der Präventionsgedanke zugrunde. Smartphones und das Internet dürfen Spaß machen, aber die beträchtlichen Gefahren sollten dabei nicht verschwiegen werden. Denn Kinder werden mit dem Smartphone immer früher mit Dingen konfrontiert, die sie stark überfordern. Da waren wir damals mit dem Familien-PC deutlich vorsichtiger.

Einen Medienführerschein – wer braucht den eigentlich eher, die Kinder oder die Eltern?

Gedacht ist er für beide und die Schule. Die Grundidee ist, dass Kinder vor dem Smartphone-Besitz den Medienführerschein durcharbeiten. Am Ende erhalten sie eine Urkunde und erst dann das Gerät. Wenn die Themen bekannt sind, können Eltern passgenauere Regeln aufstellen. Ähnliches gilt für die Schule: Arbeiten die Schüler den Medienführerschein durch, lassen sich Handyregeln in der Schule besser durchsetzen.

Welchen "Gefahren" beim Umgang mit digitalen Medien sind Kinder und Jugendliche eher ausgesetzt als Erwachsene?

Kinder werden beim Spielen durch „Free to play“-Angebote (kostenlose Spiele) abgezockt. Selbst wenn man kein Geld ausgeben muss, aber ausgeben kann, ist das eine große Verlockung. Zudem gibt es im Netz Fake News und Hatespeech. Soziale Netzwerke können schnell schlechte Gefühle machen: Warum bekomme ich keine Likes? Sind alle anderen hübscher als ich? Und dann gibt es im Netz leider Erwachsene, die die Naivität und Gutgläubigkeit von Kindern ausnutzen. Sie wollen sich mit Kindern über Sex unterhalten oder sich mit ihnen zum Sex verabreden.

Der Medienführerschein ist ja mehr als ein Sachbuch. Die Leserinnen und Leser können anhand vieler Multiple-Choice-Fragen im zweiten Teil des Buches prüfen, ob sie fit genug für die digitale Welt sind. Welche Funktion hat dieser Test?

Das Quiz sorgt noch einmal für eine Verfestigung des durchgearbeiteten Inhalts. Und der ist ganz schön umfangreich – vom ersten Computer und Konrad Zuse bis zum Smartphone als neuem Geldbeutel. Hier sorgt das Quiz durch witzige Antworten auch für Spaß und Entspannung. Er ist außerdem die Grundlage für meine Workshops in Schulen. Und auch Erwachsene dürfen hier mal ihr Wissen auf die Probe stellen. Denn vergessen wir eines nicht: Im Medienzeitalter müssen wir unsere Kinder vor Gefahren schützen, die uns alle betreffen und nicht nur die Kinder allein.

In vielen Schulen ist Handyverbot ein großes Thema. Wäre ein Medienführerschein die Lösung?

Ich halte das Handyverbot für den falschen Weg. Das Smartphone und sein Umgang damit sind eine Kulturtechnik, die erlernt werden muss. Die Schule ist ja auch ein Vermittler anderer Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Medienführerschein ist ein guter Aufhänger, um mit Kindern gemeinsam eine digitale Schulordnung zu erstellen, die dann alle unterschreiben. Ich habe bereits mehrere Schulordnungsworkshops durchgeführt. Dabei kann eine Regel sein: Handy erlaubt, wenn es der Lehrer oder die Lehrerin erlaubt. Zum Beispiel, um etwas nachzuschlagen oder zu dokumentieren. Aber sonst und in den Pausen ist es verboten.

Dezember 2019 erscheint Ihr Kinderroman "hAPPy – Der Hund im Handy" für Kinder ab 8 Jahren. Darin geht es um eine Hunde-App, die anfängt das Leben der Nutzer auszuspionieren. Welchen Vorteil bietet die Romanform, um Ihre Themen zu vermitteln?

Der Kinderoman und das Sachbuch flankieren sich gegenseitig. Während der Führerschein reines Wissen vermittelt, setzt der Kinderroman auch auf Emotionen. In Geschichten können ernste Themen mit Spannung und Humor kindgerecht verpackt werden. Zudem bieten sie Identifikationsfiguren: Ich kann als Leser das Geschehen mitfühlen und miterleben. Der Held der Geschichte bin ich, und irgendwie auch nicht. Außerdem ist "hAPPy" trotz des ernsten Themas sehr lustig. Zum Beispiel gibt es einen Messenger, der "WhatsHappy" heißt. So entfällt der erhobene Zeigefinger.

Bei Ihren Workshops und Vorträgen haben Sie viel Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen. Welche Ihrer Ratschläge und Tipps zum Umgang mit digitalen Medien stoßen immer wieder auf das größte Erstaunen?

Immer wieder größtes Erstaunen lösen die Summen aus, die Free-to-play-Spiele einnehmen. Laut Süddeutscher Zeitung hat zum Beispiel das Gratisspiel "Fortnite" 2018 über drei Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Auch das eigene Vorbildverhalten im Umgang mit dem Smartphone ist wenigen Erwachsenen bewusst. Im Medienführerschein gibt es jede Menge Handy-Detox-Tipps. Das beste Rezept bleibt, eine gute Beziehung zu seinem Kind und Zeit für es zu haben, etwa um gemeinsam Dinge zu unternehmen, bei denen das Handy nur stört.

Wenn ein Außerirdischer auf die Erde käme und zum ersten Mal das Internet nutzen würde, welche drei Tipps würden Sie ihm geben?

Bleib misstrauisch. Glaube nicht alles, was du siehst und liest. Gib nicht so viele private Dinge von dir preis. Reagiere nicht auf Aufforderungen von Fremden.