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Interview mit dem "Harry Potter"-Illustrator Jim Kay

Zwei Potter-Fans unter sich: ein Gespräch über schlaflose Nächte und falsch gesetzte Striche.

Auf der Frankfurter Buchmesse sprach Lennart Schaefer, Blogger und Mitglied der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises, mit dem Illustrator der "Harry Potter"-Schmuckausgabe, Jim Kay.

Wie und wann hast du Harry Potter kennengelernt?

Ich habe natürlich die Bücher gelesen. Den ersten Band ungefähr ein Jahr nachdem er erschienen ist. Das ist jetzt schon eine ganze Weile her, ungefähr 20 Jahre. 

Ich sah andere Leute das Buch lesen, in den U-Bahn-Stationen in London – jeder las "Harry Potter". Also dachte ich, ich müsste auch "Harry Potter" lesen. Dann kamen die Filme raus und ich begann die Bücher parallel zu den Filmen zu lesen. Ich bin also schon seit langer Zeit ein Fan.

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Woran arbeitest Du jetzt?

"Harry Potter and the chamber of secrets" (auf Deutsch: "Die Kammer des Schreckens"), das zweite Buch der Reihe. Ich muss leider zugeben, dass ich etwas in Verzug bin. Ich arbeite sehr langsam, also muss ich mich beeilen. Ich arbeite den ganzen Tag, sieben Tage die Woche, jeden Tag im Jahr, genauso wie beim ersten Buch, also wirklich hart. Das ist alles, was ich mache, den ganzen Tag "Harry Potter" (lacht).

 

Was brauchst Du (außer Stifte, Pinsel und Papier), um zu zeichnen?

Ich brauche Menschen. Die Geschichte umfasst ja mehrere Jahre und folgt Harry und seinen Freunden durch ihre Schullaufbahn. Kinder werden älter, also brauche ich echte Menschen, echte Kinder, die ich jedes Jahr malen kann, damit ich sehen kann, wie sie altern. Es ist das erste Mal, dass ich Kinder male. In "Sieben Minuten nach Mitternacht" war es nur eine Silhouette oder ein Schatten. Es gibt verschiedene Kinder, die ich als Charaktere im Buch „nutze“. 

Und Zeit brauche ich. Sehr viel Zeit!

 

Welches Buch würdest Du außer „Harry Potter“ gerne illustrieren?

Das ich wirklich schwierig (denkt nach). Ich mag "Moby Dick" von Melville, weil es eine wundervolle, dunkle Geschichte über Menschen und die Verfolgung eines Wals ist. Und ich habe "Der Marsianer" gerade gelesen. Auch das wäre toll zu illustrieren, weil alles rot ist. Die ganze Farbpalette wäre "heiß". 

 

Wie lange hast Du gebraucht, um "Harry Potter und der Stein der Weisen" zu illustrieren, angefangen bei der ersten Zeichnung bis hin zum fertigen Buch?

Zwei Jahre. Jeden Tag dieser zwei Jahre. Denn es hat erstmal ein Jahr gedauert, um die Welt und ihre Charaktere zu erschaffen. Es war eine lange Zeit. Wir hatten nicht erwartet, dass es so lange dauern würde, aber ich bin sehr langsam (lacht).

 

Du hast Dich ausführlich mit den Charakteren auseinandergesetzt. Was hast Du Neues über Harry Potter gelernt?

Als ich das erste Buch gelesen habe, hatte ich eine Idee von Harry Potter in meinem Kopf. Aber dann kamen die Filme raus und für mich wurde Harry Potter Daniel Radclifffe. Also musste ich wieder zurück zu der Geschichte, sie nochmal lesen und sehen, was die Autorin über Harry Potter geschrieben hat. Ich habe mir beim Lesen Harry Potter als ein verlorenes Kind vorgestellt, verloren und zerbrechlich. Er ist natürlich auch mutig – aber zugleich sehr zerbrechlich. Ergibt das Sinn? (lacht)

 

Ja, absolut. Was war Deine erste Reaktion, als Dir gesagt wurde, dass Du "Harry Potter" illustrieren darfst?

Meine Agentin rief mich an uns sagte: "Sitzt Du gerade?" Und ich sagte "Ja!" Und dann sagte sie: "Würdest Du ‚Harry Potter‘ illustrieren?" Ich dachte, sie meint die Cover, also sagte ich: "Ja, das hört sich toll an." Doch dann sagte sie: "Nein, das ganze Buch." "Das ganze erste Buch?" "Nein, alle Bücher.“ Ich hatte erst einmal sehr viel Angst davor, um ehrlich zu sein, denn ich wusste, wie viele Menschen Harry Potter lieben und wie viele ich enttäuschen konnte. Ich war sehr unsicher. Ich liebe es jedoch, ganze Welten zu entwerfen: die Kostüme, die Architektur, und darin dann Menschen und Tiere zu malen. Bei diesem Projekte kann man alles designen, jeden Teil der "Harry Potter"-Welt erschaffen. Deswegen habe ich es gemacht. 

 

Welches der "Harry Potter"-Bücher magst du am liebsten und freust Dich am meisten darauf es zu illustrieren?

Ich freue mich auf "Die Kammer des Schreckens", weil ich Spinnen liebe und es gibt viele Spinnen in dem Buch. Aber ich mag auch die erwachsneren Themen in den späteren Büchern. Und ich kann es kaum erwarten "Die Heiligtümer des Todes" zu illustrieren, weil es das dunkelste Buch ist. Und ich freue mich wirklich auf das letzte Buch. Aber jedes Buch hat seine eigenen Herausforderungen. Das ist eine schreckliche Antwort (lacht).

 

Wie findest Du die deutschen Cover?

Erst einmal ist es wirklich schön, deutsche Typografie anzusehen, auch weil ich die Sprache nicht verstehe. So kann ich die Typografie oberflächlich betrachten, ohne sie zu lesen. Ich habe gerade den deutschen Text im illustrierten "Harry Potter"-Buch angesehen und er sieht wirklich toll aus, auch wegen der langen Wörtern (lacht). Aber Du meinst die Cover? Die sind wirklich gut, denn sie zeigen die dunklen Elemente der Geschichte. Ich mag diese dunkle Schönheit.

 

Was war beim Illustrieren von "Harry Potter und der Stein der Weisen" am schwierigsten?

Die Kinder. Kinder sind wirklich schwierig zu malen, denn wenn man nur eine Linie an die falsche Stelle setzt, macht man sie älter. Also kann man nur ein, zwei Linien malen, sonst ruiniert man das Bild. Ich habe vorher keine Kinder gemalt, also habe ich gemalt, gemalt und gemalt, um zu üben. Auf jeden illustrierten Charakter in dem Buch kommen zehn, die ich verworfen habe. Aber auch Hogwarts zu entwerfen war wirklich schwierig, weil ich durch alle sieben Bücher gehen und alle Positionen von jedem Raum und jedem Turm nachlesen musste. Am Ende habe ich ein Modell gebaut.

 

Nun eine sehr persönliche Frage: Was würdest Du im Spiegel Nehergeb sehen?

Oh...(überlegt)...Also, ich liebe Natur, also würde ich wahrscheinlich mich alleine in einem großen Wald sehen. Irgendwann möchte ich meinen eigenen Wald haben. Das ist das, was ich mir am meisten wünsche...(lacht) das hört sich wirklich traurig an. Denn ich liebe Bäume, ich liebe es Bäume zu malen und in der Natur zu sein. 

 

Wie hast Du Dich am Erstverkaufstag der illustrierten Harry Potter-Ausgabe gefühlt und wie hast Du ihn verbracht?

Ich war sehr nervös, ich habe die Nacht davor nicht geschlafen, weil ich beunruhigt war. Im Internet sagen heutzutage alle, wie sie etwas finden, und es gibt nichts, was man dagegen tun kann. Wenn Menschen es nicht gemocht hätten, hätten sie gesagt, dass sie es nicht mögen. Ich konnte nicht schlafen. Als es dann endlich erschienen ist, war das aber auch eine Erleichterung. Ich durfte ja zwei Jahre nicht darüber reden. Endlich konnte ich erzählen, woran ich arbeite, und Bilder zeigen. Also war es eine Mischung aus Angst und Erleichterung. 

Und es hat sich nicht real angefühlt, bis ich das Buch im Schaufenster einer Buchhandlung gesehen habe. Auf einmal dachte ich: "Oh mein Gott, das passiert wirklich." Es war – und ist immer noch – ein komisches Gefühl. Auch weil es nun in einer anderen Sprache erschienen ist und ich jetzt erst merke, wie groß das alles ist.

 

Wie stark haben Dich die Filme beeinflusst?

Die ersten drei oder vier Wochen war es sehr schwierig, die Filme zu vergessen. Meine Angst war, dass ich einem Wettbewerb stehe mit all den Menschen, die diese Filmbilder auf verschiedene Weise erarbeitet haben. Und dann bin da nur ich mit meiner ganz eigenen Version. Ich habe die Filme noch mal gesehen, um sicherzustellen, dass ich nichts wiederhole. Oft hatte ich eine Idee und dachte, sie wäre gut, stellte dann aber fest, dass sie im Film bereits realisiert worden ist. Also habe ich die Filme noch mal gesehen… Zum Glück sind die Filme anders als die Bücher, also konnte ich zurück zu den Büchern gehen und dann etwas Neues erschaffen.

 

Wie hast Du es geschafft, Deine eigenen Vorstellungen von den Figuren und der Umgebung bildhaft werden zu lassen?

Ich habe mit dem Charakter der Figuren angefangen und dann mir dann überlegt, wo sie leben würden. Bei Hagrid hatte ich z.B. die Vorstellung, dass er in der Nähe des großen Sees lebt, und hatte als Bild im Kopf, wie er gerade ein altes Boot repariert. Ich fing an, eine Bühne zu bauen und Schauspieler hineinzusetzen. Ich dachte an ihre Umgebung und dann, wie die Charaktere darin aussehen würden. Und ich brauchte auch hier echte Menschen als Vorbilder – Professor McGonagall basiert auf meiner Freundin. Ein guter Freund war mein Modell für Snape: Er hat dieses fantastische Gesicht, diese unglaubliche ausgeprägten Wangenknochen.

 

Wie hat es sich angefühlt, so ein Meisterwerk illustrieren zu dürfen?

Furchteinflößend (lacht). Ich habe die ersten sechs Monate wirklich schlecht geschlafen. Ich bin nachts aufgewacht, schwitzend und habe mir wirklich Sorgen gemacht. Ich habe meine Agentin angerufen und gesagt: "Ich kann das nicht machen!" Weil der Druck zu groß war. Ich bin so froh, dass ich weiter gemacht habe. Mein alter Kunstlehrer hat gesagt, man solle Sachen immer ausprobieren, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen, die herausfordernd sind. Für mich war das sehr herausfordernd. Ich bin froh, dass ich es gemacht habe.

 

Hattest du Vorgaben, an die Du Dich halten musstest, oder hattest Du komplett künstlerische Freiheit?

Ich war sehr überrascht, ich habe Skizzen an J.K. Rowling gesendet, denn Autoren haben ja immer eine besondere Verbindung zu der von ihnen kreierten Welt. Und J.K. Rowling war fantastisch, sie war so offen und hat nie "Nein" zu irgendetwas gesagt. Ich durfte viel experimentieren und das war unglaublich. Zudem ist Bloomsbury ein Verlag, der neue Dinge ausprobiert. Ich hatte nicht gedacht, dass alles so entspannt ablaufen würde.

 

Wie hast Du es geschafft, als Illustrator ausgewählt zu werden?

Ich weiß es nicht. Ich glaube, die Autorin hat mich ausgewählt, aber ich weiß es nicht genau. Es fühlte sich komisch für mich an, weil ich zuvor nicht viele Kinderbücher illustriert habe und schon gar keine Kinderbücher mit Kindern. Also war es überraschend, aber ich will mich nicht beklagen (lacht).

 

Was sagt J.K. Rowling zu der Schmuckausgabe?

Sie hat mir einen Brief geschrieben, einen sehr netten Brief, in dem sie sagt, dass sie die Illustrationen mag. Das ist alles, was man sich wünschen kann, denn man versucht natürlich der Autorin zu gefallen. Letztendlich malt man für die Autorin. Wenn man versucht, an alle zu denken, die die Bücher lesen, gefällt man keinem. Also habe ich nur an die Autorin gedacht und an mich selbst. Auch man selbst muss natürlich zufrieden sein. Die meisten Illustratoren sind nie zufrieden mit der eigenen Arbeit, viele Illustratoren können ihre eigenen Bilder ein oder zwei Jahre nicht einmal ansehen. Vielleicht werde ich mir in einem Jahr das Buch genau ansehen. Und ich glaube und hoffe, dass jedes Buch immer besser wird, ich möchte mich immer weiter verbessern.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Tags: Presse

Carlsen auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Von Mittwoch, den 19. Oktober bis Sonntag, den 23. Oktober 2016 ist der Carlsen Verlag auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast! 

Den Stand des Carlsen Verlag findest Du in Halle 3.0/G 84.

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