BIS EINER STIRBT

Service-Seite zu Isabell Beers Drogen-Bericht BIS EINER STIRBT – damit genau das nicht passiert! 

Hier findest Du Infos zu Buch und Autorin, vor allem aber wichtige und nützliche Adressen aus dem WWW rund ums Thema Drogenkonsum sowie Hilfsangebote zum Ausstieg.

WIR KINDER VOM BAHNHOF ZOO der Generation Internet – erschreckend und aufrüttelnd

Das Internet verändert und vereinfacht auch den Drogenkonsum von Jugendlichen: Die Drogen von unerforschten, legalen Substanzen bis hin zum Heroin gibt’s in Online-Shops, geliefert werden sie per Post nach Hause. In Online-Communitys posten Leute die angeblich „richtige“ Dosis - nicht selten sind diese Infos falsch oder sogar lebensgefährlich. 

Isabell Beer erzählt die wahre Geschichte von Leyla und Josh mit vielen Zitaten. Es ist die Geschichte zweier Jugendlicher, die Spaß im WWW und im Leben haben wollten und doch die Kontrolle verloren. Das Buch klärt auf und leistet Hilfestellung für Betroffene und deren Angehörige.

Die Ausgabe bei Carlsen

Die Jugendbuch-Ausgabe von Carlsen kommt als Klappenbroschur. Wer neugierig ist, wie Leyla und Josh aussehen, bekommt hier je ein Foto mitgeliefert.

Die Ausgabe von Econ in den Ullstein Buchverlagen

Die Econ-Ausgabe wurde als gebundenes Hardcover für Erwachsene produziert. Sie enthält als Bonus ein Interview mit der Mutter eines Drogentoten, das für betroffene Eltern wichtige Informationen enthält.

Isabell Beer

Exklusives Interview mit Autorin Isabell Beer

Isabell Beer stieg direkt nach dem Abitur in den Journalismus ein und absolvierte ein Volontariat beim Berliner Kurier. Heute arbeitet sie als Journalistin für funk, das junge Angebot von ARD und ZDF, und schreibt freiberuflich für DIE ZEIT. Für ihren ZEIT-Text über Josh in der »Drogenszene Internet« erhielt sie 2019 den Newcomer-Preis der Otto-Brenner-Stiftung. 

Wir durften Isabell ein paar Fragen zu ihrem Buch stellen.

Isabell, wie bist Du darauf gekommen, die Geschichte von Josh und Leyla zu recherchieren und aufzuschreiben?

Online bin ich auf Communitys gestoßen, in denen sich Jugendliche und junge Erwachsene vernetzen und über Drogen austauschen. Erst habe ich einige Monate mitgelesen, um zu verstehen, was dort passiert. Dabei bin ich immer wieder auf Joshs Posts gestoßen, habe verfolgt, was er online über sich und seinen Konsum geschrieben hat. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wollte mehr über ihn und sein Leben erfahren. Das war der Ausgangspunkt der Recherche. Leyla und er haben sich online über verschiedene Substanzen ausgetauscht. Um die Online-Drogen-Szene und Leylas Verbindung zu Josh besser zu verstehen, habe ich auch den Kontakt zu ihr gesucht. 

Wie lange hast Du daran gearbeitet und was waren die besonderen Herausforderungen?

So lange wie an keiner anderen Recherche zuvor. Ende 2017 habe ich die Recherche begonnen und mit Unterbrechungen immer wieder daran gearbeitet. Es war anfangs schwierig Menschen zu finden, die zu einem Interview bereit waren. Gerade junge Drogen-Konsumenten waren sehr vorsichtig, hatten manchmal auch Sorge, dafür verurteilt zu werden oder Probleme zu bekommen, wenn sie mit mir reden. Das konnte ich gut nachvollziehen und habe versucht, ihnen diese Angst zu nehmen. Mir war aber wichtig, mit diesen Menschen zu sprechen, denn wer könnte einen besseren Einblick in die Online-Drogenszene geben als die, die ein Teil davon sind? Ich bin dankbar für jeden Konsumenten, der mit mir geredet hat. So bin ich auch Leyla zum ersten Mal begegnet.

Wenn Du je einen Tipp für Jugendliche und je einen Ratschlag für Eltern abgeben müsstest: Was wäre das?

Jedes Deiner Gefühle ist berechtigt. Gerade in der Jugendzeit fühlt man manches zum ersten Mal und dadurch auch besonders intensiv. Das kann überwältigend und schnell zu viel sein, gerade auch, wenn man Probleme hat. Als Jugendliche wollte ich mit meinen Problemen selbst klarkommen, aber sie wurden zu viel und ich habe angefangen, mich mit Alkohol zu betäuben. Das hat alles nur schlimmer gemacht. Wenn man Probleme hat, mit denen man alleine nicht klarkommt, sind Drogen niemals eine Lösung. Was mir geholfen hat, war, mich zu öffnen und Hilfsangebote anzunehmen. Das hat mich einiges an Überwindung gekostet, war aber der einzige Weg, aus der Abwärtsspirale zurück ins Leben zu kommen. Mein Tipp an Jugendliche: Konsum ist nie eine gute Idee, wenn es einem nicht gut geht – reden aber schon. Manchmal sind Freunde oder Eltern vielleicht nicht die, mit denen man darüber sprechen will oder kann – es gibt aber auch Hilfsangebote von außen, dazu gibt es unten auch Links. 

Und an Eltern: Sich zurückerinnern, wie es war, ein Teenager zu sein, wie man sich gefühlt und was man sich damals von seinen Eltern gewünscht hat. Da sein, ein offenes Ohr haben und wenn man selbst nicht weiterhelfen kann, gucken, welche Hilfsangebote es noch gibt. Es gibt darüber hinaus auch welche, die sich explizit an Eltern und Angehörige richten, manchmal kann auch das örtliche Jugendamt weiterhelfen. Einigen hilft es auch, sich mit anderen betroffenen Eltern zu vernetzen und mit ihnen über Sorgen und Probleme zu sprechen, um sich damit nicht so allein zu fühlen.
 

Safer-Use-Regeln und weiterführende Informationen

Laboranalysen

Anders als in der Schweiz oder in Österreich gibt es in Deutschland bislang keine überregionalen Möglichkeiten zum Drug Checking.

  • Neu gekaufte Substanzen am besten erst durch Laboranalysen prüfen lassen. Auch dann, wenn diese von demselben Dealer oder derselben Dealerin stammen. Dealer verkaufen oft nur Stoff, den sie selbst aus einer anderen Quelle beziehen. Die Zusammensetzung kann variieren und unterliegt keiner Norm. Wirkstoff(e) und Wirkstoffkonzentration(en) können sich aufgrund von Lieferanten, Streckstoffen und Verunreinigungen stark unterscheiden.
  • Laboranalysen von neuen psychoaktiven Stoffen, deren Wirkung deutlich von der erwarteten Wirkung abweichen (gilt auch bei Verdacht auf mit synthetischen Cannabinoiden gestrecktes Cannabis), können über folgende Institution angefragt werden. 
  • »Unbekannte« Substanzen kannst du gegen ein Entgelt in der Apotheke analysieren lassen. Diesen Service bieten nicht alle Apotheken an – wie Ärzte unterliegen auch Apotheker der Schweigepflicht. Siehe hier.
  • Wenn eine Laboranalyse nicht möglich ist, dann gilt: informieren, Dosis am besten nach dem Körpergewicht berechnen und mit einer Feinwaage oder volumetrisch abmessen. Erst kleine Mengen testen und sich damit auseinandersetzen, wann die Wirkung in der Regel einsetzt (sonst legt man womöglich bereits nach, bevor die Substanz zu wirken beginnt).
  • Die Wirkung von Substanzen auf Frauen ist oft schlechter erforscht. Als Konsumentin generell vorsichtiger beziehungsweise weniger konsumieren.

Allgemeines zum Thema Safer Use

  • Den Konsum vermeiden oder möglichst gering halten, wenn sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, da Drogen in dieser Phase besonders schädlich für die geistige Entwicklung sind.
  • Nicht konsumieren, wenn man sich psychisch oder körperlich nicht fit und gesund fühlt.
  • Sich vor dem Konsum über (mögliche) Kurzzeit- und Langzeitfolgen informieren. Nur wenn man gut Bescheid weiß, kann man eine bewusste Konsumentscheidung treffen – oder eine bewusste dagegen.

Beantworte Dir folgende Fragen vor dem Konsum:

  • Aus welchem Grund möchte ich diese Droge konsumieren?
  • Was will ich damit erreichen?
  • Was weiß ich über die Droge und deren Zusammensetzung?
  • Wie schätze ich die Wirkung und die Risiken ein?
  • Wie reagiere ich, wenn der Konsum nicht wie vorgesehen verläuft?
  • Wie kann ich Risiken minimieren?
  • Konsumiere nur, wenn du es selbst möchtest. Lass dich nicht von anderen zum Konsum überreden und versuche auch nicht, das bei anderen zu tun. Denn: Die Konsequenz deines Konsums, die Folgen, trägst du allein.
  • Es kursieren viele falsche Infos und Legenden, nicht nur im Netz, sondern auch unter Konsumenten. Es ist wichtig, sich mittels seriöser Quellen zu orientieren und nicht blind auf Aussagen anderer zu vertrauen.
  • Konsumpausen einhalten!
  • Bei psychischer oder körperlicher Vorbelastung (wie Herzprobleme, Bluthochdruck, Leber- und Nierenerkrankungen, Kreislauferkrankungen, psychische Erkrankungen etc.) auf den Konsum verzichten beziehungsweise noch intensiver darauf achten, Risiken zu minimieren, da diese Vorbelastungen die Gefahr erhöhen, eine Psychose zu entwickeln. Es steigt dadurch auch das Risiko, beim Konsum schwerwiegende Schäden davonzutragen, bis hin zum Tod.
  • Den Konsum unerforschter Substanzen (neue psychoaktive Substanzen, kurz NPS) vermeiden, da oft nur wenige verlässliche Informationen zu Dosierung, Nebenwirkungen etc. vorhanden sind und manche dieser Stoffe bereits in sehr geringen Mengen zum Tod führen können.
  • Mischkonsum vermeiden oder sich im Vorfeld genau kundig machen, da gefährliche Wechselwirkungen eintreten können und das Risiko von Nebenwirkungen oder einer Überdosis steigt. Das gilt auch für die Kombination von Drogen, Genussmitteln und Medikamenten.

Grundsätzlich gibt es Mischungen, die zusammen eingenommen gewünschte positive Effekte erzeugen oder verstärken können und bei denen das Risiko für negative Effekte nur leicht ansteigt. Aber es existieren auch Mischungen, die dazu führen können, sehr schnell in komatöse und/oder lebensgefährliche Zustände abzudriften.

Wichtige Infos zum Thema Mischkonsum findest Du hier und hier. Und zu den Risiken bestimmter Kombinationen hier.

  • Nicht allein konsumieren und jemanden dabeihaben, der nüchtern bleibt (Trip-Sitter) und im Notfall Hilfe holen kann. Dabei immer vorher Bescheid geben, was konsumiert wird.
  • Infos zum Thema Set und Setting findest Du hier.
  • Nach der oralen Einnahme einer Substanz zunächst mindestens zwei Stunden abwarten, ohne gleich »nachzulegen«. Die Wirkung kann verzögert eintreten. Nie mehr als die Hälfte der Ursprungsdosis nachlegen.
  • Sich unbedingt im Vorfeld informieren, welche Wirkung zu erwarten ist. Weicht die empfundene Wirkung deutlich von der beschriebenen ab, handelt es sich wahrscheinlich nicht um die gewünschte Substanz. Diese Substanz im Zweifel testen lassen und nicht weiter konsumieren.
  • Auf Konsumenten achten. Halluzinationen, Angstzustände, Benommenheit, Reizüberflutungen, verzerrte Realitätseinschätzungen können Konsumenten in gefährliche Situationen bringen, die Person kann sich dadurch selbst und/oder andere gefährden.
  • Während des Konsums »Pausen« einlegen, das heißt, sich ausruhen und an die frische Luft gehen. Ausreichend und regelmäßig Wasser trinken, da manche Substanzen den Wasserverlust im Körper fördern. Dennoch auch nicht übermäßig trinken. Keinen zusätzlichen Alkohol zu sich nehmen, da dies zu Wechselwirkungen führt und den Körper zusätzlich austrocknet.
  • Wenn bei der Person nach einem Konsum körperliche und/oder psychische Probleme auftreten, diese Person nie allein lassen und im Ernstfall den Notarzt rufen, bevor sich der Zustand weiter verschlimmert.

Ein Hinweis: Inzwischen ist Cannabis im Umlauf, das mit synthetischen Cannabinoiden versetzt ist. Dieses wird als »normales« Marihuana verkauft, lässt sich jedoch nicht sicher konsumieren und kann schlimmstenfalls tödlich sein. Darum Marihuana – wenn man es konsumieren möchte – erst in sehr geringer Menge testen. Nicht weiter konsumieren, wenn die Wirkung sich von der erwarteten unterscheidet.
Wer sich für den Konsum entscheidet, sollte Cannabis besser durch einen Vaporizer konsumieren (weniger Schadstoffe als beim Rauchen). Wer Joints raucht, sollte besser auf Aktivkohlefilter zurückgreifen und Cannabis nicht mit Tabak mischen, da dies zu Wechselwirkungen führen kann.
 

Hilfsangebote

Selbsttests:
Ist Dein Konsumverhalten problematisch? Hier kannst Du Deinen Cannabis-/Speed-/Alkoholkonsum im Selbsttest überprüfen.

Anleitung zur Reflexion des eigenen Drogenkonsums:
https://tinyurl.com/DrugscoutsReflexion

Tipps für Angehörige/Freunde:
https://tinyurl.com/InfosAngehoerige

Überregionale Hilfsangebote für Betroffene:
https://tinyurl.com/HilfeUeberregional 
https://mindzone.info/beratung/

Drogenberatungsstellen:
https://www.drugcom.de/beratung-finden/drogenberatungsstellen/

Sucht- und Drogennotruf:
069/623451 (hier gibt es auch Angehörigenberatung)

Elternberatung:
https://www.elternberatung-sucht.de/

Chat-Beratung:
https://mindzone.info/beratung/onlineberatung/
https://tinyurl.com/DrugcomChatBeratung

E-Mail-Beratung:
https://tinyurl.com/MailBeratung

Hilfe bei psychischen Problemen/Krisen:
Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222
(montags bis sonntags rund um die Uhr)
Nummer gegen Kummer für Jugendliche:
116 111 (montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr)

Weitere Angebote für Jugendliche:
https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/krise-und-konflikt/hilfe-kinder-jugendliche-notlagen

Chat-Beratung:
https://www.nummergegenkummer.de/kinder-und-jugendberatung/online-beratung/
(mittwochs und donnerstags von 14 bis 18 Uhr)