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Inking Tutorial - Schraffuren und Strukturen

 

 

Willkommen in Teil 2 meines kleinen Inking-Tutorials! Nachdem wir in Teil 1 gelernt haben, welche Federn es gibt und wie man diese wartet und pflegt, wird’s diesmal richtig ernst, denn nun wird schraffiert! Viele scheuen sich vor Schraffuren aus Angst eine Illustration, bzw. ein Mangapanel zu versauen, dabei sind Schraffuren ein wunderbares Mittel, um Schwarz-Weiß-Zeichnungen Leben und Persönlichkeit einzuhauchen. Und mit der richtigen Technik kann kaum noch was schiefgehen.

Also: Los gehts!

 

Hilfe, das wird alles total unsauber! =(

Stellt euch beim Schraffieren folgendes vor: Euer Arm ist gar kein Menschenarm, sondern ein Roboterarm, der aus dem Ellenbogengelenk heraus kurze, parallele Linien zieht. Und während er mechanisch eine Linie nach der anderen zieht, bewegt sich euer Roboterarm gleichmäßig voran. So in etwa sieht meine Technik aus, um gleichmäßig sauber schraffierte Flächen zu erzeugen. Natürlich braucht es dafür ein bisschen Übung und die richtige Feder (ich arbeite mit dem Maru-Pen für extra feine Schraffuren, man kann aber auch mit jeder anderen Feder schraffieren, wenn man kräftigere Linien bevorzugt.)

 

Welche Schraffurarten gibt es?

Kurz gesagt: Unendlich viele! Theoretisch könnt ihr sogar auf der Basis winzig klein gezeichneter Pentagramme ein Schraffurmuster aufbauen. Aber das wäre ziemlich mühsam. XD
Die gängigsten Schraffurarten und wo man sie am besten einsetzt, möchte ich euch nun vorstellen!

 

1. Einfache Schraffur

Die einfache Schraffur besteht im Grunde nur aus einer Lage, gerader, parallel gezogener Linien. Ihr könnt auf diese Weise glatte Flächen schraffieren, z.B. um Rasterfolie zu ersetzen, oder einen Verlauf erzeugen, indem ihr die Linien an den dunklen Stellen dichter setzt und dann die Abstände langsam größer werden lasst. Achtung: Versucht allzu lange Striche zu vermeiden! Das sieht unsauber aus! 
Mögliche Einsatzbereiche: Praktisch überall!

 

 

2. Kreuzschraffur (30° versetzt)

Dies ist die wahrscheinlich gängigste Schraffurart im Manga. Hierbei beginnt man gleich, wie bei der einfachen Schraffur, legt aber eine weitere Schicht an Linien über die erste - und zwar um ca. 30° versetzt. Das hat den Vorteil, dass man etwas mehr Ruhe ins Gesamtbild bringt und die Schraffur weniger „strichelig“ ausfällt. Sie wirkt nun viel mehr wie eine nicht ablenkende, in den Hintergrund tretende Fläche. Außerdem kann man beim Auftragen der zweiten, um 30° versetzten Schicht ev. entstandene „Löcher“ stopfen. >:3 
Mögliche Einsatzbereiche: Überall!

 

 

3. Kreuzschraffur (90° versetzt)

Bei dieser Schraffur-Art versetzt man die zweite Schicht um ganze 90°, sodass eine Art Kreuzmuster entsteht. Diese Schraffur wirkt eher grob und tritt wieder mehr als „strichelig“ in den Vordergrund, dafür aber ist sie gut geeignet, um eben bewusst grobe Strukturen darzustellen, wie Leinenstoff, oder geflochtene Körbe. 

 

 

Es gibt aber noch einen weiteren Einsatzbereich! Und zwar kann man mit einer Kreuzschraffur, die der Perspektive eines Raums folgt, gut Tiefe und Textur betonen, indem man über Kreuz schraffierte Ecken und Kanten ins Bild einarbeitet. Hier ein Beispiel dafür (achtet auch auf die feinen Strukturlinien und die Schwarzflächen, die das Bild gleich spannender und organischer wirken lassen). Diese Technik lässt sich problemlos auf komplexer gezeichnete Hintergründe übertragen und verhindert einen zu klinischen, glatten Look.

 

 

4. Sternschraffur

Bei der Sternschraffur legt man total viele Schichten übereinander. Man beginnt mit einer gewöhnlichen, um 90° versetzten Kreuzschraffur und legt dann nochmal 2 weitere, jeweils um 45° versetzte Lagen darüber. Dadurch entsteht ein interessantes Muster.
Der Nachteil: Diese Schraffur kann im Druck sehr dunkel wirken. Gut geeignet ist sie aber zum Beispiel, um Gefühle zu unterstreichen. Man kann auch kreativ werden und wabernde Wolken damit darstellen. Was immer einem einfällt: Durch das Muster wirkt es sehr dekorativ!

 

 

Gefühle mit Schraffuren unterstreichen

Rasterfolie ist eine tolle Sache! Um ganz ehrlich zu sein: Im Grunde kann man die folgenden Effekte auch sehr schnell mit Rasterfolie erzeugen. Wozu also mühsam schraffieren? Das Zauberwort lautet: Persönlichkeit! Jeder Zeichner schraffiert anders. Manche wilder und grober, andere wieder fein und gleichmäßig. Schraffuren transportieren besser Persönlichkeit und einen bestimmten Look, als vorgefertigte Rasterfolie. Und so lohnt es sich - zumindest ab und zu - etwas Zeit in gute, alte Handarbeit zu investieren. 

Auf dem folgenden Bild seht ihr drei Techniken, um mit Schraffuren Gefühle zu unterstreichen. 

Auf Bild Nr. 1 habe ich den Sternschraffurverlauf eingesetzt, wodurch eine leicht bedrückte Stimmung entsteht. Man kann diesen Verlauf aber auch dazu nutzen, um Dunkelheit im Raum darzustellen, ohne alles mit steriler Rasterfolie zuzukleistern. Geheimtipp: Den Verlauf einmal schraffieren, einscannen und später immer wieder digital einsetzen. :) Das ist dann wie selbstgemachte Rasterfolie mit Persönlichkeit!

Auf Bild Nr. 2 folgt die Schraffur unsichtbaren Hilfslinien, die alle auf das gebrochene Herz zulaufen. Auch bei Actionszenen lohnt es sich, anstatt glatter Schwarzflächen auf Schraffuren zu setzen, die der Bewegungsrichtung folgen. Das bringt Schwung ins Bild!

Auf Bild Nr. 3 habe ich im Grunde das selbe gemacht, wie auf Bild 2. Die schraffierten Punkte im Hintergrund folgen unsichtbaren Fokuslinien. Nur entsteht durch die weit auseinander liegenden, sehr kurzen Striche, ein sanfter, strahlender, glücklicher Effekt. =)

 

Komplexe Strukturen meistern

Wenn ihr erst mal ein Gefühl für einfache Verläufe und glatte Flächen entwickelt habt, könnt ihr euch an den nächsten Schritt heran wagen: Die erlernten Techniken dazu zu nutzen, um komplexere Objekte, Pflanzen oder Texturen mithilfe von Schraffuren dreidimensionaler erscheinen zu lassen! Dafür müsst ihr euch eigentlich nur konzentrieren und euch zwei Dinge fragen: Welche Form und Oberfläche hat das Objekt, wie kann ich diese Form mithilfe von feinen Linien betonen und wo befindet sich die Lichtquelle?

Hier seht ihr eine bösartig brennende Sonne, die eine Kugel beleuchtet, die eher einem Knödel gleicht, da ich zu faul war, um einen Zirkel zu benutzen! XD Die Linien folgen der Form der Kugel und berücksichtigen dabei den Einfall des Lichts. Als Übung könnte man sich vielleicht vorstellen, wie es wäre, wenn diese Kugel aus grobem Stein wäre und wie man diesen Stein darstellen könnte? Und wie würde die Kugel aussehen, wenn sie aus Holz wäre? Werdet kreativ!

 

Apropos Holz!
Ich habe versucht, für euch ein Stück Baum zu zeichnen. Für die schwarzen Schatten habe ich einen nachfüllbaren Pinselstift von Pentel verwendet, den ich nur wärmstens weiterempfehlen kann (Schwarzflächen gehen damit super schnell und präzise von der Hand. (Ich liebe ihn!).

Begonnen habe ich mit einer sehr groben Vorzeichnung des Stammes und der Position der Aststruktur! Ich habe festgestellt, dass besonders Naturzeichnungen besser und lebendiger werden, wenn man die Formen nicht allzu genau vorzeichnet und sich mehr auf sein Gefühl beim Schraffieren verlässt. Wichtig ist auch, dass man zwar dem Verlauf des Lichts folgt, aber nicht zuuu gleichmäßig, da der Stamm sonst mehr einem Metallrohr gleicht! Ein Baumstamm hat kleine Unebenheiten, Rillen und Vertiefungen. Versucht das mit feinen, ungleichmäßigen Linien zu betonen. Es gibt hier auch keine wirklichen Regeln. Folgt eurem Gefühl und entwickelt eure eigene Technik!

 

 

Zum Schluss habe ich noch etwas für euch, das auch für mich immer noch eine Herausforderung darstellt: Steine/Geröll zeichnen! Dabei stellt man sich das Gestein grob als Quader vor, die übereinander geschichtet auf der Erde liegen. Nur, dass es sich nicht wirklich um Quader handelt, sondern um viele kleine, zackige, poröse Einzelteile. Aber das Bild des Quaders hilft, um die schwarzen Schatten zu setzen und danach die Schraffuren, entsprechend dem Lichteinfall hinzuzufügen. Indem man sich beim Zeichnen immer die zugrunde liegende, einfachste Form vorstellt, behält man den Überblick und verliert sich nicht sofort in Details!

 

 

Ich wünsche euch viel Spaß beim Experimentieren und üben! Im dritten und letzten Teil dieses Tutorials lernen wir, wie man komplette Charaktere/Illustrationen tuscht und wie wichtig der passende Inking-Stil für den Gesamteindruck eines Werks ist! 

 

Melanie Schober, geboren am 23.3.1985 im idyllischen Saalfelden (Österreich) zeichnet seit frühester Kindheit mit Begeisterung Comics und Comic-Figuren. Im zarten Alter von dreizehn Jahren wurde sie mit dem »Sailormoon-Virus« infiziert und widmet sich seither der japanischen Mangakunst.

 

Mehr zu Melanie und ihren Werken.

 

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