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Hugo Pratt

Hugo Pratt

Hugo Pratt, geboren 1927 in Rimini, erlangte vor allem durch seine Serie "Corto Maltese" Weltruhm. Seine Karriere spiegelt wie keine andere die Geschichte des italienischen Comics wider. Kindheit und Jugend verbrachte Pratt in Venedig und Abessinien. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zur "Asso di Picche"-Gruppe, die sich mit Erfolg bemühte, den US-amerikanischen Adventure-Strip im Stile Will Eisners oder Milton Caniffs zu kopieren. Aufgrund des kommerziellen Erfolges ihres Magazins erhielten die Protagonisten von "Asso di Picche" das lukrative Angebot, nach Argentinien zu gehen, wo bessere Arbeitsbedingungen lockten.

So zog Pratt 1947 nach Südamerika, wo er - überwiegend nach fremden Szenarien - zahlreiche Abenteuerserien gestaltete. Als Pratt 1962 nach Europa zurückkehrte, hatte er durch ausgedehnte Reisen einen gigantischen Fundus an Sagen, Anekdoten und ethnologischen Eigentümlichkeiten zusammengetragen. Diesen wertete er von nun an zunehmend in seinen Comics aus. Außerdem entwickelte Pratt durch die Akkordarbeit für argentinische und englische Großverlage seinen Strich zu immer größerer Einfachheit, die oft fast den Grad der Abstraktion erreicht. Es entstand ein charakteristischer Zeichenstil, mit dem Pratt seinen bevorzugt exotischen Schaupläzen eine faszinierende Tiefe verlieh.

1967 kreierte Pratt für die Zeitschrift "Sgt. Kirk" des Genueser Verlegers Florenzo Ivaldi "Die Südseeballade". In "Sgt. Kirk" sollten ausschließlich Arbeiten Pratts zum Abdruck kommen, ein absolutes Novum in der Geschichte der europäischen Comics. In "Die Südseeballade" tauchte zum ersten Mal Corto Maltese auf, der seit 1970 der Held einer eigenen Serie wurde ("Corto Maltese", erst in "Pif", später in "Linus", "(A Suivre)" und "Corto Maltese"). Pratts zweite große Serie in diesen Jahren war "Die Wüstenskorpione". Neben der steten Fortführung von "Corto Maltese" arbeitete Pratt in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre vor allem für Bonellis Sammelreihe "Ein Mann - ein Abenteuer", für die er insgesamt vier albumlange Geschichten schrieb und zeichnete. Für alle seine Serien, vor allem aber für "Corto Maltese", entwickelte Pratt ein Erzählkonzept, das darauf angelegt war, die Grenze zwischen historischen Fakten und Fiktion aufzuheben. Sein letztes Lebensjahrzehnt widmete Pratt neben der Pflege seiner erfolgreichen Serien und der Kolorierung älterer, schwarzweißer Arbeiten vor allem albumlangen Erzählungen aus der Geschichte, wie "Cato Zulu" oder Saint-Exupéry". Darüber hinaus schrieb er die Szenarios für Milo Manaras "Ein indianischer Sommer" und "El Gaucho" und trat in mehreren Filmen in Nebenrollen auf.

Der 1995 viel zu früh verstorbene Hugo Pratt war neben Samuel Beckett der einzige Nichtfranzose, der zum Chevalier des Arts et Lettres geschlagen wurde. Er war mithin Träger der höchsten Auszeichnung, die der französische Staat an einen Künstler zu vergeben hat. Dahinter verblassen die zahlreichen Auszeichnungen und Preise, die Pratt für sein Werk in aller Welt erhielt.