Buchempfehlung
 

How to Write - die große Schreibwerkstatt für Manga und Comics

Lektion 1

Wer seinen eigenen Manga oder Comic entwerfen will, der muss auf jeden Fall Lust zum Zeichnen haben. Soviel steht fest. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Schreiben aus? Schließlich unterhalten sich die Figuren nicht nur am laufenden Band miteinander - sie erleben auch jedes Mal neue Abenteuer und werden in die unterschiedlichsten Geschichten verstrickt. Hier geht es nun darum, wie man denn eigentlich so einen Manga oder Comic SCHREIBT. Zu einem richtig guten Mangaka gehört nämlich nicht nur die Fähigkeit zum Zeichnen, auch Schreiben muss man können.

Einfach so loslegen?

... weil die Geschichte schon irgendwie von alleine vor sich hinplätschern wird, wenn du erst mal tolle Figuren, Settings, usw. gezeichnet hast? Keine Chance, ehrlich. Wer so anfängt, wird garantiert nicht weit kommen. Oder du zeichnest und zeichnest - bis am Ende keiner außer dir der Geschichte noch folgen kann.
Denn in einem Punkt sind sich alle gestandenen Mangaka und Comiczeichner einig: Man braucht ein bestimmtes Grundthema, eine genaue Vorstellung davon, wohin sich das Ganze entwickeln soll. Genauer gesagt: Du brauchst eine STORYLINE, den roten Faden deiner Geschichte, wenn du einen eigenen Manga oder Comic entwerfen willst. Und wenn du die einmal gefunden hast, dann geht die Sache mit dem Schreiben erst richtig los: Deine Figuren müssen ja auch noch einen Charakter haben, sich miteinander unterhalten - und wenn sie ihr erstes Abenteuer überstanden haben, sollte es am besten auch noch ein weiteres geben.

Nur keine Panik!

... das hört sich alles viel komplizierter an, als es ist. Auch dein Lieblingsmanga oder Comic ist garantiert nicht einfach so aus dem Ärmel geschüttelt worden. Selbst die größten Altmeister leben nicht nur davon, dass sie mal kurz einen Genie-Streich landen, und los geht's. Dahinter steckt immer auch harte Arbeit, die sich aber lohnt: Denn wenn du einmal eine gute Grundlage hast, musst du dir darüber später nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen.

Eine Frage solltest du dir gleich am Anfang stellen: Soll meine Geschichte eher fantastisch sein, oder in der Wirklichkeit spielen? Abenteuer gibt es in beiden Fällen ausreichend, soviel ist sicher.

Wenn man sich so umschaut in der Manga- und Comiclandschaft, dann scheint es viele verschiedene Möglichkeiten zu geben. Zumindest für den Anfang solltest du dir aber überlegen, was dich eher interessiert - bzw. was dir so gar nicht liegt.

Beantworte dir doch mal die folgenden Fragen ganz ehrlich, vielleicht hilft das schon:
- Hast du Lust, eine Geschichte ohne diese laaaaangweiligen Regeln und die Logik unserer normalen Realität zu schreiben und endlich diesen miefigen Alltag hinter dir zulassen? Willst du Monster, diverse Zaubersprüche und am besten auch noch unbekannte Dimensionen erobern?
- Oder interessiert dich gerade das, was täglich um dich herum passiert, weil das Leben noch immer die spannendsten Geschichten schreibt? Willst du etwas über reale Leute und Themen machen, ohne dass andauernd irgendwelche Fantasiefiguren durch Deine Geschichte segeln?

Wenn du dich nicht eindeutig auf eine der beiden Möglichkeiten festlegen kannst oder willst - dann ist das absolut in Ordnung! Schließlich gibt es sehr viele Geschichten, in denen diese beiden Ebenen sich vermischen.

Es kommt nicht darauf an, wie real oder fantastisch Deine Geschichte sein wird, denn gerade für Manga und Comics gibt es hierbei keine festen Grenzen.

Du kannst dich also austoben und alles ausprobieren. Nur auf eines solltest du unbedingt achten: Dein Thema muss zwar nicht unbedingt logischen Regeln folgen - aber es sollte trotzdem glaubwürdig bleiben.

Als Beispiele seien hier nur die Eto in "Fruits Basket" genannt, die sich in Kühe, Affen oder Ratten verwandeln - aber trotzdem zur Schule gehen müssen, und auch von anderen ganz normalen, menschlichen Dingen nicht verschont bleiben. Oder denk mal an die Saiyajin - in DBZ müssen selbst mächtige Weltraumkrieger Hausaufgaben machen, weil sie sonst Ärger mit ihrer Mutter kriegen.

Hier nun unsere ...
AUTOREN-HAUSAUFGABE NR.1: PLOT GESUCHT!

Versuche, deine Geschichte oder Idee doch mal in höchstens fünf Sätzen (Bandwurm-Sätze verboten!) zusammenzufassen. Nimm ruhig mehrere Anläufe, das ist ganz normal, aber fass dich auf jeden Fall kurz.

In jeder der nächsten Lektionen wird es eine dieser "Hausaufgaben" geben. So kannst du schön der Reihe nach an deinen Ideen arbeiten, bis am Ende eine richtig gute Geschichte steht.


Lektion 2

Jetzt kommt die große Überraschung! Ja ja, du ahnst es sicher schon: Kein Plot ohne...

DIE HAUPTFIGUR - Lesson No. 2

Spätestens (wenn nicht schon vorher) beim Schreiben eines Plots ist dir eines ganz sicher klar geworden: Es gibt natürlich schon längst eine Hauptfigur in deinem Plot. Oft kommt die Idee zu einer Geschichte sogar später dazu, weil zuerst eine bestimmte Vorstellung von einer Figur da ist. Damit du das anhand der von uns ausgewählten Plots erkennen kannst, haben wir mal die Hauptfiguren fett markiert:

(Plot-Idee Nr. 1 von Stefan Lorse)

Es ist 6 Uhr Morgens, als Subaru aufsteht, um sich für die Schule zu rüsten und über ein bildschönes Mädchen stolpert, das bewusstlos in seinem Zimmer liegt. Als dieses die Augen öffnet, schleudert es Subaru schreiend zu Boden und verschwindet mit ihm durch einen Bannkreis in eine fremde Welt. Das namenlose Mädchen fordert Subaru auf, mit in ihre Heimatstadt Perth zu kommen, doch ab dem Zeitpunkt, an dem sie Subaru traf, kann sie sich an nichts erinnern, außer daran, dass sie Subaru nach Perth bringen muss. Subaru steht vor einem Rätsel, denn selbst in dieser fremden Welt kennt niemand diese Stadt, und jene, die den Namen kennen, berichten nur von einem Märchen. So machen sich Subaru und das Mädchen auf den Weg, um Perth zu suchen, wobei Subaru zuerst nur versucht nach Hause zu kommen.

(Plot-Idee Nr. 2 von Katja Klemm)

Daniel kommt aus Berlin, seine beste Freundin ist Jo(hanna). Nach einer kleinen Zankerei werden sie angegriffen von einem Seelenvampir, Lilith, die Jo die Seele aussaugt und Daniel verletzt. Daniel schwört Rache und versucht mithilfe seines besten Kumpels alles über Seelenvampire rauszubekommen, was er kann. So macht er sich auf die Jagd.

Zwei Welten

Obwohl die beiden Plots sehr unterschiedlich sind, haben sie doch etwas gemeinsam: Die Hauptfiguren stammen aus unserer, der "normalen" Welt - entdecken jedoch beide eine fremde Dimension, in der dann auch Fantasie-Gestalten eine Rolle spielen. Das ist eigentlich immer eine gute Idee, weil natürlich die Begegnung zwischen verschiedenen Welten viel Stoff für eine Geschichte liefert.

Mit diesem Thema werden wir uns später noch einmal beschäftigen - aber im Moment fällt vor allem Folgendes auf: In Plot 1 ist die Figur aus der anderen Welt offenbar eine von den "Guten" - und in Plot 2 geht es um den Kampf gegen die "Bösen". Das hat ganz entscheidenden Einfluss auf die Geschichte, aber auch die Hauptfiguren selbst.

Ein Date im Tunnel

In beiden Geschichten wurde die Handlung also sozusagen um die Hauptfigur herumgebastelt. Und das ist nicht nur völlig in Ordnung, sondern sogar der normale Weg! Du kannst dir das so ähnlich vorstellen wie den Bau eines Tunnels von zwei Seiten aus: Irgendwann treffen die beiden Seiten aufeinander und der Tunnel ist fertig. Genauso ist es mit dem Plot und der Hauptfigur: An beiden musst du immer weiter feilen, sie immer besser ausarbeiten, bis sie schließlich perfekt zusammenpassen. Und natürlich hat jede Veränderung an der Hauptfigur auch Einfluss auf den Plot - genauso, wie umgekehrt. Wenn wir uns nun also mit deiner Hauptfigur beschäftigen, dann arbeiten wir gleichzeitig an der Entwicklung deiner Geschichte.

Wanted: das Motiv

Das ist ein sehr wichtiger Punkt, weil es natürlich einen Grund dafür geben muss, dass deine Hauptfigur sich auf alle möglichen Abenteuer einlässt. Schließlich kann sie oder er das nicht nur deshalb tun, weil du nun mal gerne eine Geschichte schreiben willst - oder wir später eine lesen wollen. Eine Hauptfigur braucht ganz dringend ein wirkliches Eigenleben, damit sie später nicht sinnlos durch den Manga oder Comic stolpert.

In Plot 2 hat "Daniel" ein ganz klassisches Motiv - die Rache. Er will die "Seelenvampire" dafür drankriegen, dass sie seiner Freundin die Seele ausgesaugt haben. Dieses Motiv wird ihn sicher eine ganze Weile beschäftigen, die Geschichte hat also einen logischen Anfang. Später allerdings könnte es schwierig werden, da wird "Daniel" wahrscheinlich ein bisschen mehr brauchen, als nur die Rache, um weiter interessant zu bleiben.

In Plot 1 dagegen scheint noch nicht festzustehen, was "Subaru" dazu bringt, diesem Mädchen zu folgen (mal abgesehen davon, dass sie wohl nicht gerade hässlich ist!).

Da fehlt also noch was - aber dafür wissen wir schon ziemlich viel über diese fremde Welt, was auch sehr interessant ist.

AUTORENHAUSAUFGABE NR.2: DER STECKBRIEF

Damit deine Hauptfigur (und damit immer auch der Plot - s.o.!) wirklich spannend wird, solltest du sie sozusagen vom Papier "befreien", das heißt: Stell dir vor, sie oder er wäre gar keine ausgedachte Figur - sondern jemand, den du wirklich kennst. Damit dir das leichter fällt, kannst du einen Steckbrief über sie schreiben. Er sollte alles Mögliche und Nötige enthalten, also: Geburtsdatum, Wohnort, sogar Schuh- und Kleidergröße, wenn Du magst, die ganze Palette eben. Natürlich auch Hobbies, usw. - Hauptsache alles ist richtig "echt".


Lektion 3

CHARACTERFRAGE(N) - Lesson no. 3

Diesmal gehen wir ausnahmsweise mal ganz weit weg vom Plot (der natürlich trotzdem großen Einfluss hat!) und kümmern uns nur um die Eigenschaften deiner Hauptfigur, genauer: Um zwei ganz wichtige Fragen:

1. Was ist überhaupt das Geheimnis eines spannenden Charakters? und
2. Wie schaffst Du es, dass andere ihn/sie genauso toll finden wie du?

Am besten lässt sich das Ganze anhand der Steckbriefe zwei unserer Einsender erklären.
Also los geht's: Wir haben es hier mit Sonora Lee und Aick Norton zu tun, die abgesehen von einer Vorliebe für Pizza nicht besonders viel gemeinsam haben. (Die Steckbriefe sind von uns ein bisschen verkürzt worden)

Steckbrief "Sonora Lee" (Von Dinah Kübeck)

Alter: 16
Wohnort: Tokyo, Japan
Größe: 175 cm
Gewicht: 61 kg
Haarfarbe: Dunkelbraun
Augenfarbe: Grün/Blau
Sternzeichen: Jungfrau/Hase
Besonderes Merkmal: Kleine Ohren
Charakter: Ruhig, direkt, nachdenklich, gute Menschenkenntnis
Lieblingsessen: Thunfischpizza
Getränk: Wasser, Milch

Der Steckbrief der sechzehnjährigen Japanerin mit den zu klein geratenen Ohren gefällt uns aus verschiedenen Gründen sehr gut. Zunächst mal hat Dinah durch die sehr detaillierten Angaben ihre Hauptfigur sehr plastisch gemacht. (Bis hin zur Schuhgröße Sonoras - die übrigens 38 ist!) Wenn man das so liest, macht man sich automatisch ein Bild und genau darum geht es ja. Aber solche Informationen standen in vielen Steckbriefen und Sonora Lee hat noch einen anderen, ganz großen Pluspunkt: Dinah hat nicht einfach ein paar Charaktereigenschaften aufgezählt, sondern gibt uns zum Schluss noch eine Handvoll viel interessanterer Informationen über ihre Hauptfigur. Wir wissen nämlich, was Sonora mag und was nicht.

Wenn ihr jetzt denkt: Kirschen und Clowns - was soll denn daran so besonders sein?! Dann liegt ihr falsch. Das spannende daran ist nämlich gerade, dass es hier nicht um furchtbar wichtige, große Themen geht - sondern um ganz alltägliche Vorlieben und Abneigungen. Sonora kommt uns dadurch ein Stück näher - und zwar mit ganz einfachen Mitteln. Manchmal reichen solche Mini-Infos aus, um die Fantasie anzuregen, ohne dass ein Charakter bis ins letzte durchanalysiert wird.

Auf der anderen Seite fehlt hier aber etwas ganz wichtiges: Sonora hat keine Fehler, sie scheint fast ein bisschen zu perfekt zu sein. Zu diesem Thema kommen wir gleich nochmal, beim nächsten Steckbrief:

Steckbrief "Aick Norten" (Von Laura Krause)

Alter: 15
Wohnort: Berlin
Haarfarbe: schwarz
Augenfarbe: grün
Größe: 1,81m
Gewicht: 75kg
Schuhgröße: 43
Schwester: Erin (12 Jahre)
Haustier: Hund (Kreuzung aus Dobermann und Schäferhund, Name: Spike)
Lieblingsessen: Pizza Hawaii
Besonderheiten: Nichtraucher, eigenbrötlerisch, sehr intelligent Drachentattoo an der rechten Taille (ca. 20cm groß) spricht außer Deutsch noch Englisch, Französisch, Portugiesisch, Griechisch und Latein fließend und lernt gerade Arabisch

Macken gesucht!

Das Aussehen von Lauras Hauptfigur ist extrem genau beschrieben, bis hin zur Größe des Tattoos (und wir haben schon ein bisschen gekürzt). Das ist genauso wie bei Sonora ein deutlicher Vorteil. Außerdem kennen wir sogar den Namen seines Hundes, wissen, dass Aick eine jüngere Schwester hat, usw. All das hilft unserer Fantasie auf die Sprünge. Irgendwie können wir uns ganz gut vorstellen, was für ein Typ das ist. Trotzdem hat auch Aick ein Problem - und zwar, dass er eben keines hat. Verwirrt? Dabei ist es eigentlich ganz einfach: Er ist einfach zu schlau und kann mehr Sprachen als ein professioneller Dolmetscher. Es fällt deshalb ein wenig schwer, ihn zu mögen, weil er ein Überflieger zu sein scheint. 

Wirklich spannend wird ein Charakter erst dann, wenn er auch Fehler hat. Kleine Ticks, liebenswerte Schwächen und manchmal sogar peinliche Angewohnheiten - das hat doch jeder. Wenn Ihr also wollt, dass Eure Figuren greifbar werden und anderen Menschen ans Herz wachsen - dann gönnt ihnen auch mal eine kleine Macke!

AUTORENHAUSAUFGABE NR. 3: BEZIEHUNGEN

In der nächsten Lektion wird es um die Beziehungen eurer Hauptfigur zu anderen Figuren gehen. Das ist ein wichtiger Schritt, sozusagen der Motor, der eure Geschichte am laufen hält. Also: Schnappt euch die Hauptfigur und seinen/ihren besten Freund/ eine Freundin, ein Familienmitglied, usw. usw. - und schreibt eine Skizze dieser Beziehung. Skizze heißt wie immer: Fasst euch kurz, denn was wirklich wichtig ist, lässt sich garantiert in maximal vier Sätzen zusammenfassen.

Lektion 4

Mit Runde vier nähern wir uns langsam den etwas sensibleren, aber umso wichtigeren Schreibwerkzeugen. Sicher habt ihr beim Schreiben eurer Geschichte schon bemerkt, dass solche Werkzeuge und Grundregeln nie ein "Gesetz" sein können, sondern immer auch Platz für Ausnahmen, eigene Ideen und neue Ansätze bleiben müssen. Unser "How to write" soll schließlich nicht eure Fantasie bremsen oder einschränken! Diesmal werden wir euch eine Faustregel des Schreibens präsentieren, die ganz sicher zu den wichtigsten gehört:

Konflikt gesucht! - Lesson no. 4

Wer nun denkt, das Thema Konflikt sei eine eher langweilige, vielleicht auch überflüssige Angelegenheit, der liegt voll daneben. Es geht nicht darum, dass sich in eurer Geschichte ständig gezofft werden muss - genaugenommen muss es eigentlich überhaupt nicht um einen Streit gehen. Ein Konflikt kann unausgesprochen bleiben, er kann zwischen mehreren Figuren bestehen - aber genausogut auch etwas sein, womit sich eine einzelne Figur allein herumschlägt. Wer nun denkt: Ja - wie jetzt, was bitteschön ist denn nun ein Konflikt?! - dem kann geholfen werden:

Grob formuliert ist ein Konflikt etwas, das passiert, wenn eine Figur irgendetwas will - und dieses etwas aber nicht ohne Hindernisse erreichen kann.

Das kann theoretisch alles sein: Freundschaft, Glück, Anerkennung - aber auch ein neues Fahrrad (OK - das ist sehr banal, aber wie wäre es damit:), die Rettung der Erde usw. usw. - alles ist möglich. Denn der Konflikt ist...

Der Motor einer Geschichte

Ihr könnt euch das tatsächlich so ähnlich vorstellen wie bei einem ganz normalen Auto. Warum? Ganz einfach: Wenn es in einer Geschichte nichts gibt, wofür man kämpfen könnte, dann wird sie ziemlich schnell langweilig. Oder würdet ihr eine Geschichte spannend finden, in der die Hauptfigur immer sofort das bekommt, was sie will und die ganze Zeit über komplett zufrieden ist? Wahrscheinlich habt ihr sogar schon so einen Motor in eure Geschichten eingebaut und wisst es nur noch nicht. Unsere beiden Gewinner haben jedenfalls beide einen, wenn auch etwas verschiedene.

"A family affair" (Von Charlotte Reh)

"Aiko hat nur durch Zufall herausgefunden, dass sie eine Schwester hat. Yasuka ist das genaue Gegenteil von Aiko. Sie ist schön, beliebt und ihr Stiefvater ist wohlhabend. Aiko dagegen ist in einem Heim aufgewachsen und wird von den meisten in der Schule für einen Jungen gehalten. Obwohl sie sich am Anfang nur angiften, merken sie doch nach und nach, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben als sie dachten und dass sie zusammen das Geheimnis herausfinden wollen, warum ihre Familie damals auseinandergegangen ist."

Hier muss nicht lange mit der Lupe nach einem Konflikt gesucht werden: Klar, dass Aiko und Yasuka jede Menge Konfliktstoff miteinander zu bewältigen haben. Aber außerdem gibt es noch einen etwas weniger deutlichen, einen den man nicht sofort erkennt und der sehr viel mit dem Charakter der beiden zu tun hat: Aiko ist wohl eher die Außenseiterin, wuchs im Heim auf und wird außerdem noch für einen Jungen gehalten. Das muss nicht unbedingt ein Drama sein (zumal zwei derart verschiedene Charaktere auch immer für viel Spannung sorgen!) - aber es wird zumindest angedeutet, dass Aiko damit nicht so besonders gut klar kommt.

Damit haben wir gleich noch einen Motor, nämlich einen oben schon mal erwähnten, inneren Konflikt gefunden. Der kann auch später, wenn die beiden Schwestern sich eventuell doch noch mögen, dafür sorgen, dass die Geschichte spannend bleibt - denn Yasuka scheint ja das komplette Gegenteil davon zu sein. Und - ob ihr es glaubt oder nicht - es gibt sogar noch einen dritten Motor in dieser Geschichte - genauso, wie bei ...

"Freunde/Feinde für's Leben?!" (Von Natalie Jürgens)

"Subaru (mein Hauptdarsteller) und Mimiko kennen sich schon aus Grundschultagen, sind aber wie Feuer und Wasser. Sobald sie sich sehen, fangen die beiden einen Streit an und obwohl sich Subaru und Mimiko aus dem Weg gehen könnten, treffen sie sich ständig. Man könnte fast meinen, dass die beiden eine Art Hass-Liebe verbindet, denn sie können nicht mit noch ohne den anderen."

Denn auch hier haben wir zwei sehr verschiedene Figuren, der Konflikt ist deutlich zu erkennen, usw. - aber diese Geschichte wird durch etwas anderes noch viel interessanter: Genauso wie die beiden Schwestern oben, scheinen Subaru und Mimiko keine Wahl zu haben: Sie müssen miteinander klarkommen, auch wenn das manchmal anstrenged ist - weil sie einander trotz allem brauchen. Das ist etwas, wodurch eine Geschichte sehr lange sehr spannend bleiben kann.

AUTOREN-HAUSAUFGABE NR. 4: "MOTOR-CHECK"

STOP - macht jetzt bloß nicht den Fehler und bastelt einen ähnlichen Konflikt in eure Geschichten wie unsere beiden Gewinner! Es geht nämlich nicht darum, dass alle Geschichten gleich funktionieren - stattdessen solltet ihr bei euren ursprünglichen Grundideen bleiben, deren Motor aber durch folgenden Check nochmal überprüfen: Was will meine Hauptfigur ganz unbedingt und vor allen anderen Dingen? Warum will sie/er das überhaupt? Aus welchem Grund ist das etwas schwierig: Hindert ihn/sie jemand daran, sich diesen Wunsch zu erfüllen?


Lektion 5

Lesson No. 5: Vorsicht - Zeitsprung!

Beim letzten Mal ging es darum, eure Geschichten einem ordentlichen Motor-Check zu unterziehen und herauszufinden, welches Motiv die Hauptfigur denn eigentlich antreibt. Here we go:

"Motor-Check 1" (Von Daniel Hiller)

"Angetrieben durch meinen Hass habe ich die letzen acht Jahre damit verbracht, Körper und Geist zu stählen, um meinem Todfeind, der mir die qualvollsten Jahre meines Lebens beschert hat, gegenüberzutreten, ihm tief in die Augen blickend nach dem "Warum" zu fragen, und bevor er eine Antwort geben kann, ihn zu töten. Nicht durch Hoffnung oder positives Denken überlebte ich in den Straßen von Tokio, sondern allein der Gedanke, mich an meinem Bruder, der unsere Eltern umbrachte und mich als den Mörder darstellte, zu rächen, hat mich am Leben erhalten."

"Motor-Check 2" (Von Jenifer J. Dörrich)

"Die 14-jährige Natsuko sieht in ihren Träumen immer wieder einen geheimnisvollen Jungen, der ihr etwas zu sagen versucht. Bevor er ihr die Nachricht jedoch überbringen kann, wacht Natsuko auf. (...) Sie macht es sich zur Aufgabe, diesen geheimnisvollen Jungen in der Realität zu finden. Doch wie findet man einen Menschen, dessen Namen man noch nicht einmal kennt? Dieses Problem bringt Natsuko und ihre Freunde in viele witzige, aber auch gefährliche Situationen."

Wahrscheinlich ist euch dann doch ziemlich schnell aufgefallen, wo die Unterschiede zwischen Natsuko und der anderen Hauptfigur liegen: Einmal geht es um die Suche nach einer geheimnisvollen Traum-Erscheinung, die sich in der Realität etwas schwierig gestalten könnte. Auch im ersten Text wird jemand gesucht, der Grund dafür ist allerdings weniger märchenhaft. Und trotzdem - eines haben das Mädchen mit den wirren Träumen und der rätselhafte Rächer mit der blutrünstigen Fantasie gemeinsam: Beide Autoren werden im Verlauf der Geschichten ein paar Tricks brauchen, um ihren Lesern diese Motive zu erklären.

Der Trick mit der Rückblende

Rückblenden sind das A und O für alle Geschichten, in denen irgendwann einmal etwas passiert ist, was nun der Motor eurer Handlung sein wird - ihr aber wollt dieses schon lange zurückliegende Erlebnis nicht miterzählen. Zu kompliziert? Dann noch mal ganz einfach: Nehmen wir den geheimnisvollen Rächer aus Motor-Check 1. Die Ermordung seiner Familie liegt anscheinend schon etwas länger zurück (In der Zwischenzeit hat er ja auf den Straßen Tokyos überlebt?!) Die Geschichte beginnt aber wohl erst mit seiner Suche nach dem fiesen Bruder - und das weiß niemand außer - na wer denn wohl? Dem Autor selbst, natürlich. Also muss er sich überlegen, wie dieses Rätsel aus der Vergangenheit in seine Geschichte eingebaut werden kann. Und dafür gibt es ganz viele verschiedene Mittel, die oft auch Geschmacksfragen sind. Zum Beispiel kann der Autor sozusagen in die Gedankenwelt seiner Hauptfigur "reingucken", die sich gerade zurückerinnert. Ihr kennt das sicher aus vielen Comics und Manga. Aber:

Vorsicht Falle!

Rückblenden müssen nämlich immer und ganz unbedingt deutlich als Rückblenden erkennbar sein. Ist ja klar, dass ihr als Autor voll Bescheid wisst, was wann wie und wo in eurer Geschichte so passiert. Eure Leser aber nicht, die müsst ihr in solchen Fällen auch mal an die Hand nehmen, sonst sind sie einfach nur komplett verwirrt.
Was deshalb ganz extrem wichtig für eure Geschichte ist, ist die Wahl einer Perspektive. Manchmal passiert dies ganz von allein, wie man auch an den beiden Gewinner-Texten sehen kann: Motor-Check 1 ist in der Ich-Perspektive geschrieben, der Autor sitzt hier sozusagen "im Kopf" seiner Hauptfigur, er selbst scheint der "Rächer" zu sein. Die Geschichte von Natsuko dagegen ist in der dritten Person geschrieben - soll heißen: Die Autorin betrachtet Natsuko von außen, genau wie der Leser. Eigentlich kann jeder Autor am Anfang ausprobieren, welche Perspektive er einnehmen will. Und manchmal ist es auch gut, verschiedene Perspektiven anzutesten, um zu sehen, welche euch am besten liegt.

Aber - und das ist einer der wichtigsten Regeln beim Schreiben:
Wenn ihr euch für eine Perspektive entschieden habt, dann könnt Ihr sie im Verlauf der Geschichte nicht mehr ändern. Sonst kann kein Mensch der Handlung folgen, weil die Orientierung fehlt!

Deshalb lautet die aktuelle

AUTOREN-HAUSAUFGABE NR. 5: "WO IST DER AUTOR?!"

Ihr kennt jetzt die Hauptfigur, habt sie charakterisiert, den Motor eurer Geschichte gefunden, usw. Es ist also Zeit für eine Festlegung: Aus welcher Perspektive wollt ihr die Geschichte erzählen? Wenn ihr euch entschieden habt, dann schreibt den den Anfang eurer Geschichte - also die ersten zwei Sätze (bitte nicht mehr, das muss reichen!!!), die in eurem Manga oder Comic auftauchen. Was wird als Erstes gesagt, gedacht, oder auch in einem Extra-Kasten als zusätzliche Info vermittelt? (Kleiner Tipp: Schaut euch vielleicht noch mal den Anfang eures Lieblingscomics oder -manga an, wenn ihr nicht sicher seid!)


Lektion 6

Als Beispiel haben wir uns für zwei Versionen entschieden, die wir für besonders spannend halten, da sie beide ganz dicht an ihren Hauptfiguren sind.

Und genau darum geht es diesmal, wir machen nämlich eine kleine

Lesson Nr. 6: Reise ins Ich

Keine Angst, es wird nicht um irgendwelche Innereien und Spaziergänge durch die Adern gehen, wie im gleichnamigen Film! Wir meinen das natürlich nur symbolisch, nämlich die Ich-Perspektive. In der letzten Lektion wurde schon einmal erwähnt, dass der Autor damit sozusagen »im Kopf seiner Hauptfigur« sitzt. Aber was genau passiert mit euren Lesern, wenn sie die Geschichte auf diese Weise erzählt bekommen?

Zunächst hier zwei Beispiele, an denen lässt sich dies nämlich sehr gut beobachten:

Nummer 1

Auf einer schlafenden Straße irgendwo in Tokyo erfüllte das aufgeregte Bellen meines Hundes Rocky die Luft. Unsanft öffnete ich die Augen - vor mir stand ein grinsender Mann in Kapuze.

Von Cheryl P.

Nummer 2

Nie werde ich Tetsuos Worte vergessen, denn sie haben mein Leben von Grund auf verändert. »Rette deinen Bruder, indem du mich tötest.«

Von Skye

Sicher geht es euch ähnlich wie uns. Wir wollten am liebsten sofort wissen, wie es denn nun weitergeht... Wenn man diese ersten Sätze in einem Manga oder Comic liest, dann wird man es so schnell nicht wieder aus der Hand legen. Und der Grund dafür ist ziemlich einfach: Wir sind ganz, ganz nah an der Hauptfigur und erleben auf diese Weise genau dasselbe wie sie. Wir können uns gut vorstellen, dass man einen Schreck bekommt, wenn man von einem grinsenden Typen mit Kapuze geweckt wird. Und natürlich interessiert uns brennend, was mit diesem Bruder los ist - und warum eine gewisse Tetsuo getötet werden muss, damit er überlebt.

Das alles funktioniert gerade deshalb, weil hier die Ich-Perspektive verwendet wurde. Denn diese Schreibtechnik hat folgende Vorteile:

- Alles, was eure Hauptfigur sieht, hört, denkt und fühlt - das sehen, hören, denken und fühlen auch eure Leser! Es gibt kein Entkommen, weil alles sofort so erkennbar ist, wie die Hauptfigur es erlebt.

- Eure Geschichte wird auf diese Weise sehr lebendig und glaubwürdig, weil die Leser sich mit der Hauptfigur identifizieren können.

- Ihr könnt eurer Hauptfigur eine ganz eigene Stimme verleihen, die die gesamte Geschichte sehr persönlich wirken lässt.

Aber wenn ihr euch für sie entscheidet, dann müsst ihr bei einigen Dingen auch ziemlich genau aufpassen. Denn wenn ihr wollt, dass der Leser sich wirklich in sie hineinversetzen kann, dann sollte die Hauptfigur auch »menschlich« bleiben (selbst dann, wenn sie vielleicht gar kein »normaler« Mensch ist!).

Folgende Dinge solltet ihr deshalb vermeiden:

- Ein »Ich« kann nicht überall sein: Wenn ihr etwas erzählen wollt, ohne dass er oder sie dabei anwesend ist, dann habt ihr ein Problem.

- Ein »Ich« kann nicht alles wissen: Wenn ihr etwas besser als die Hauptfigur wisst und auch erzählen wollt, dann müsst ihr das sehr geschickt verpacken.

- Ein »Ich« hat manchmal auch Geheimnisse - die eure Leser dann natürlich kennen, auch wenn ihr sie vielleicht noch gar nicht mitteilen wollt.

Zu kompliziert? Dann noch mal ganz einfach: Durch die Ich-Perspektive baut ihr für eure Leser eine ganz eigene, sehr persönliche Welt auf. Wenn ihr euch dabei geschickt anstellt, werden die Leser irgendwann das Gefühl haben, tatsächlich in der Hauptfigur zu stecken. Und deshalb müsst ihr sehr genau aufpassen, dass diese Welt nicht zerstört wird - weil dann die ganze Geschichte nicht mehr funktioniert.

Aber keine Panik - es gibt natürlich Lösungen für dieses Problem. Und eine besonders gute Möglichkeit, um trotz einer Ich-Perspektive auch andere Informationen in eine Geschichte einzubauen, ist ein Dialog.

AUTORENHAUSAUFGABE NR. 6: "REDEN IST GOLD"

Achtung - diesmal wird es echt knifflig! Überlegt euch zuerst mal eine Situation, in der ihr etwas erzählen wollt, was die Hauptfigur nicht von allein wissen kann. Oder etwas, das ihr über die Hauptfigur erzählen wollt - diese aber nicht selbst sagen oder denken soll. Zum Beispiel könnte es um eine bestimmte Charaktereigenschaft der Hauptfigur gehen oder auch um eine wichtige Information, die jemand anderes ihr oder ihm gerade mitteilt.

Schreibt dann bitte einen kurzen Dialog dazu auf - diesmal dürfen es maximal sechs Sätze sein, aber auf keinen Fall mehr! Es geht darum, mit möglichst wenig Aufwand ein gutes Gespräch zu schreiben. Das kann lustig, traurig oder sonst wie sein - Hauptsache, es ist eine lebendige Unterhaltung, die dazu eine Information transportiert.


Lektion 7

Weiter geht's mit unserer Schreibwerkstatt - und heute sind wir endlich bei der Kür angekommen! Bestimmt haben einige von euch schon darauf gewartet, denn dieses Thema macht den meisten Autoren beim Schreiben generell den größten Spaß - besonders bei der Entwicklung von Manga und Comics... In diesen Genres spielen Dialoge natürlich eine noch viel größere Rolle. Dass es sich hierbei um ein nicht ganz einfaches Thema handelt, erfahrt ihr gleich:

Lesson No. 7: Small Talk & Große Worte - Der Dialog, Teil 1

Der Dialog ist so etwas wie die Königsdisziplin: Viele Autoren beschäftigen sich mit ihm am liebsten - gleichzeitig ist er aber auch der schwierigste Teil der Arbeit. Viele Leute denken, dass gute Dialoge sozusagen »auf der Straße liegen« und man sie eigentlich nur mal eben zu Papier bringen muss... Das ist ein ganz großer Irrtum! Stellt euch doch mal in den Supermarkt oder an die nächste Straßenecke und hört ganz genau hin, was eure Mitmenschen so vor sich hin reden - der Großteil davon ist wohl kaum brauchbar für die große Schreibkunst. Niemand will so etwas Langweiliges in einem ordentlichen Manga oder Comic lesen. Gute Dialoge entstehen also nicht dadurch, dass man Figuren genau so reden lässt, wie die Leute im Supermarkt oder auf der Straße. Ganz im Gegenteil...

Ein guter Dialog schafft drei Dinge auf einmal: 

-  Er treibt die Handlung voran und schafft Spannung. 
-  Er erzählt etwas über die Figuren, die sich miteinander unterhalten. 
-  Er gibt dem Leser das Gefühl, dass er heimlich etwas belauscht - das aber eigentlich gar nicht für seine Ohren (bzw. Augen!) bestimmt ist.

Ohne die beiden ersten Punkte läuft nix - aber worauf es wirklich ankommt ist der dritte Punkt. Denn bestimmt kennt ihr das: Zwei Charaktere unterhalten sich, und man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass sie normalerweise nie auf diese Weise miteinander reden würden - aber sie müssen es jetzt, damit wir auch schön kapieren, was gerade in der Geschichte los ist.


Habt ihr den Widerspruch entdeckt? Oben hieß es noch, man solle seine Figuren auf keinen Fall einfach so drauflosreden lassen - und jetzt sollen sie aber gleichzeitig schön natürlich sein?! Nein, wir wollen hier nicht eure Konzentration testen. Das ist nämlich kein Widerspruch, sondern eine Art »Zauberformel« beim Dialoge schreiben - man muss beides auf einmal hinkriegen: 

WAS die Figuren besprechen, müsst ihr als Autor ganz genau formen und austüfteln - aber WIE sie es dann tatsächlich sagen, muss trotzdem noch echt bzw. natürlich wirken.

Hier ein gutes Beispiel:

Ich (verärgert): Okay, wieso sollte ich so plötzlich zu dir kommen?
Joe (angeschlagen): Rufus war hier und...
Ich: Ach, traut er sich ernsthaft hierher?
Joe (etwas lauter): Hör mir doch zu, er hatte...
Ich (verwundert): Wie hat er den Laden so verwüstet?
Joe (fast schreiend): ER HATTE EINEN GÖTTERRING!
Von Barbara Haas

Diese sechs kurzen Sätze wirken zunächst nicht besonders spektakulär, man hat auch nicht den Eindruck, dass die Figuren einander irgendetwas Wichtiges mitzuteilen haben.
Auf den ersten Blick sieht es sogar so aus, als würden »Joe« und »Ich« aneinander vorbeireden. Und das ist gerade das Gute an dieser Unterhaltung - denn ohne, dass wir es merken, erfahren wir doch sehr viel über die Handlung und auch über die Figuren selbst. Der Trick besteht darin, diese Informationen nicht direkt als wichtig zu präsentieren, sondern sie uns vielmehr indirekt unterzujubeln:

»Rufus« zum Beispiel muss ein fieser Typ sein, das ahnen wir noch vor der Erwähnung des mysteriösen »Götterringes«, ohne dass es deutlich ausgesprochen wird. Sogar über den Charakter des »Ich« (wahrscheinlich die Hauptfigur) erfahren wir etwas, nämlich dass sie ein bisschen ungeduldig ist und andere gern unterbricht.
Und dann gibt es sogar noch einen Hinweis auf die Umgebung, nämlich einen »verwüsteten Laden«. 

Verkauft eure Informationen nicht direkt, sondern nehmt lieber die Hintertür! Also, versteckt sie zwischen den Zeilen, so dass sie der Leser indirekt begreift.

Um das zu schaffen, sollte man vorher schon ganz genau wissen, welchen Zweck der Dialog haben soll. Und wo wir schon dabei sind: Los geht's mit dem Üben! Das Thema »Dialoge« ist uns als Königsdisziplin nämlich zwei Lektionen wert, deshalb hier die nächste

AUTORENHAUSAUFGABE NR. 7: A PLUS B = NICHT GLEICH!

Diesmal gibt es eine Beispiel-Situation, die wir uns ausdenken - und aus der ihr einen Dialog machen sollt. Wir haben alles schön allgemein gehalten, um eure Fantasie nicht zu stören. Hier die Eckdaten: Figur A und Figur B sind zusammen in einer gefährlichen Situation gelandet, gehen aber ganz verschieden damit um: A hat die Hosen voll und ist sehr nervös, B dagegen macht blöde Witze und lässt sich die Angst nicht anmerken. Schreibt einen Mini-Dialog (sechs kurze Sätze), der in möglichst wenigen Worten etwas über die Situation und vor allem auch über die Figuren A und B verrät. Es geht nicht darum, eine Lösung für die Situation zu finden, sondern diese durch die Unterhaltung anschaulich zu machen.

Kleiner Tipp: Die kurzen Notizen, die im Beispiel-Dialog oben in Klammern stehen, könnten euch dabei helfen! Und sie sind auch für die spätere Zeichnung der Figuren eine gute Basis.


Lektion 8

Lesson No. 8: - Small Talk & große Worte - Der Dialog, Teil 2

Und die besten Beispiele der Autorenhausaufgabe werden wir in dieser Lektion mal ordentlich auseinander nehmen. Wir haben gezielt nach dem »Haar in der Suppe« gesucht, damit ihr auch aus den kleineren Fehlern lernen könnt.

"Der Trick mit dem Spar-Witz" (Von Tina Borke)

A: (verzweifelt) Hier geht's nicht weiter!
B: Du hast nicht zufällig `ne Heckenschere?
A: (nervös) Was hast du vor?
B: Seine Krallen sind bestimmt seit Jahrzehnten nicht geschnitten worden.
A: (sarkastisch) Ist mir ja noch gar nicht aufgefallen!
B: (beschwichtigend) Ich wollt's ja bloß mal erwähnen.

Es sieht ganz so aus, als hätte diese Autorin unsere Vorgaben hunderprozentig eingehalten:
Obwohl es kaum kürzer geht, begreifen wir ziemlich schnell, mit was für Figuren wir es zu tun haben: A ist der Schisshase von beiden und B ist für die blöden Sprüche zuständig. Viel interessanter ist jedoch der Trick, durch den uns die Gefahr klargemacht wird, mit der es A und B zu tun haben. Denn der Heckenscheren-Witz von B ist zwar nicht wirklich ein Brüller - aber dafür eine geschickte Verpackung für die wichtigste Information überhaupt: Die Situation ist brenzlig, weil irgendein nicht näher erklärtes »Etwas« mit offenbar ziemlich fiesen, langen Krallen hinter den beiden her ist. Mehr erfahren wir nicht darüber und genau deshalb wird die Situation auch für uns spannend. Unsere Fantasie beginnt nämlich zu arbeiten und genau darauf es kommt es an, denn: 

Die Fantasie der Leser wird sich spannende und gruselige Situationen immer viel schlimmer ausmalen, als ihr das mit Worten oder Zeichnungen könnt.

"Das erste Haar in der Suppe"

Nein, es ist nicht der Sparwitz. Denn wenn eine Figur dazu neigt, weniger lustige Sprüche zu klopfen, ist das ja nur allzu menschlich und deshalb völlig in Ordnung. Es geht eher darum, wie der Dialog endet: Denn die letzte Antwort von B ist im Vergleich zum Rest ein kleines bisschen müde ausgefallen, da geht die Spannung eher wieder runter.



"Munkeln im Dunkeln" (Von Fritz Grafe)

A: Ganz schön dunkel hier unten...
B: Hehe, stimmt. Aber dann sehen wir wenigstens ES nicht.
A: Hör auf!
B: Da! Das klingt wie das Knacken von Toms Knochen in seinen Kiefern...
A: STOPP DAMIT!!! Er wurde doch vollkommen unwissend in diesen Schlosskerker geschickt!
B: Der arme Idiot, hätte er doch Weihrauch dabeigehabt, HAHAHAHA!!!

Dieser Autor hat eigentlich das genaue Gegenteil gemacht und die Gefahr sehr deutlich thematisiert. Auch hier ist die Rollenverteilung der Figuren ziemlich klar, allerdings sind die Charaktere deutlich überzeichnet: A ist wirklich richtig verzweifelt und B scheint einen starken Hang zum Zynismus zu haben. (Mal ehrlich: Wer will mit so einem Typ schon gern in einem Schlosskerker unterwegs sein?!) Vor allem aber wird uns in den wenigen Sätzen sehr viel über die Gefahrenquelle verraten und zudem ein gewisser »Tom«, den das »Es« möglicherweise schon gefuttert hat, näher gebracht. Spannend wird das Ganze dadurch, dass hier fast alles ohne eindeutige Bilder zu funktionieren scheint: Die Figuren tappen im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln bzw. Ungewissen. Man könnte sich diese Situation in einem Manga oder Comic sogar fast ganz klassisch, mit den typischen zwei Augenpaaren im Stockdunkeln, vorstellen - spannend wäre sie trotzdem.

Wenn die Figuren gruselige Geräusche hören oder aber bestimmte Dinge selbst nicht sehen können, dann wirkt die Gefahr, in der sie sich befinden, noch viel größer auf den Leser.

"Das zweite Haar in der Suppe"

Fast alle Informationen wurden hier geschickt verpackt, wie z.B. der »Weihrauch«, der uns ganz unauffällig auf etwas Übersinnliches hinweist. Weniger gelungen dagegen ist die letzte Aussage von A: Hier hat man plötzlich das Gefühl, dass die Information an den Leser und nicht an B gerichtet ist - denn B wird doch sicher wissen, wie »Tom« in den Schlosskerker geraten ist.


"Elegant geschlenkert" (Von Svenja Buchholz)

Phil (panisch): Wenn du dir nicht gleich etwas einfallen lässt, werden wir beide sterben.
Zed: Warte, ich habe eine Idee.
Phil (hoffnungsvoll): Wirklich?
Zed (grinsend): Nein, war nur ein Spaß!
Phil (niedergeschlagen): Es ist also so weit, wir werden sterben!
Zed (breit lächelnd): Ach was, es gibt Berichte von Leuten, die einen Sturz aus 80 Meter Höhe überlebt haben.

Diese Autorin hat sich etwas ganz Luxuriöses erlaubt: Einen komplett sinnbefreiten, aber trotzdem nicht sinnlosen Schlenker. Nachdem wir schon im ersten Satz erfahren, dass beide Figuren in Lebensgefahr schweben, geht es ganze drei Aussagen lang eigentlich nur darum, dass Phil (bzw. A) voll auf Zed (bzw. B) hereinfällt. Hier wurde also für eine eigentlich überflüssige Angelegenheit Platz gemacht anstelle einer detaillierten Darstellung der Gefahr. Sinnlos ist das deshalb nicht, weil wir so sehr anschaulich etwas über Phils Naivität und Zeds Galgenhumor erfahren. Außerdem bleibt uns das Lachen ohnehin im Halse stecken, weil am Ende wieder deutlich wird, dass den beiden eigentlich das Wasser bis zum Hals steht. 

Insider-Sprüche oder auch mal sinnlose Schlenker, die ganz klar auf die Figuren zurechtgeschnitten sind und trotzdem INDIREKTEN BEZUG zur Situation haben, sind immer besser als lange, erklärende Monologe!

"Das dritte Haar in der Suppe"

Einmal wurde hier scheinbar zu viel geschlenkert: Phil hätte vielleicht nicht zweimal sagen müssen, dass sie "beide sterben müssen". Stattdessen wäre ein unauffälliger Mini-Verweis auf die Situation sinnvoller gewesen.

So, nun habt ihr eine ganze Liste mit besonders gelungenen Tricks und auch Hinweise auf die Fallen, in die man beim Dialog-Schreiben tappen kann. Viel Spaß beim Überarbeiten eurer Dialoge - und auf geht'?s zur nächsten:

AUTORENHAUSAUFGABE NR. 8: Cliffhanger gesucht!

Es ist langsam an der Zeit, sich um einen gelungenen Schluss eurer Geschichten zu kümmern. Es muss ja nicht gleich das richtige Ende sein - aber habt Ihr schon mal überlegt, wie das erste Abenteuer bzw. die erste Folge der Geschichte eurer Figuren zu Ende gehen könnte? Bestimmt habt ihr noch eine Menge vor - aber versucht einmal Folgendes: Denkt euch eine Möglichkeit aus, eure Geschichte bis zum vorläufigen Ende einer ersten Episode zu bringen. Der Trick besteht darin, dass dies natürlich NICHT das wirkliche Ende sein darf, denn schließlich geht es darum, die Leute auf das nächste Abenteuer neugierig zu machen. Also: Schreibt in maximal vier Sätzen auf, was bisher passiert ist - und hört genau an dem Punkt auf, wo eure Leser eigentlich gern wissen würden wie es weitergeht. Wenn ihr wollt, könnt Ihr auch mit einer Frage aufhören (zum Beispiel: Wird XY es schaffen...?).

Lektion 9

Lesson No. 9 - Hängen geblieben!

Die meisten Comic- und Manga-Geschichten bestehen aus mehreren Folgen, soviel ist klar. Und jeder kennt das Warten auf die Veröffentlichung des nächsten Bandes, die manchmal viel zu lange dauert. Aber wie kommt es denn eigentlich, dass man immer so gespannt darauf ist, wie es weitergehen wird? Es gibt verschiedene Techniken, um die Spannung einer Geschichte über mehrere Episoden hinweg aufrechtzuerhalten. Aber eines haben fast alle gemeinsam: 

Die Spannung entsteht nicht dadurch, dass eine Episode einfach so mittendrin aufhört - sondern dahinter steckt immer eine genau durchdachte Entscheidung.

Auch in unseren Beispielen wurden verschiedene Tricks angewendet, um am Ende ihrer Episoden für Spannung zu sorgen.

Trick 1: Der Klassiker (Von Lavvyan)

"Jacen wischte sich mit der Linken eine schweißnasse Strähne aus der Stirn, das bluttriefende Schwert noch in der anderen Hand. »Bist du in Ordnung, Shiyan?«, fragte er, drehte sich um und erwartete das übliche beruhigende Lächeln seiner Gefährtin. Doch die junge Elfe starrte entsetzt auf das besiegte Monster zu seinen Füßen. »Was hast du getan?«, flüsterte sie."

Obwohl wir hier eigentlich kaum etwas über die Geschichte wissen und Jacen und Shiyan uns völlig unbekannt sind, interessiert uns doch brennend, wie diese Geschichte weitergehen wird. Und das liegt daran, dass hier der einfachste Trick der Welt benutzt wurde: 

Eine Geschichte oder Episode exakt dann aufhören lassen, wenn die Handlung auf einem Höhepunkt angekommen ist.

Aber auch wenn es auf den ersten Blick simpel erscheint, einfach so Schluss zu machen, wenn die Leser gerade mitten drin in der Handlung stecken - ganz so einfach ist es dann doch nicht. Hier steckt nämlich noch ein bisschen mehr dahinter, weil das Monster eben nicht »nur besiegt« wurde: Anscheinend war es nämlich das falsche Monster, weil die Elfe Shiyan alles andere als begeistert zu sein scheint. Das führt dazu, dass wir als Leser jetzt ganz dringend wissen wollen: Warum hätte dieses Monster nicht getötet werden dürfen? War es vielleicht gar kein böses Monster? Und was nun passiert, ist ja klar: Wir werden gespannt darauf warten, in der nächsten Episode zu erfahren, warum Shiyan so entsetzt reagiert hat.

Trick 2: Tun sie's - oder tun sie's nicht? (Von Johanna Feuerlein)

"Nach Ayumis und Sentaros Geburt beschlossen die Eltern die Hochzeit der beiden. Jedoch läuft nicht alles nach Plan, denn Ayumi verknallt sich in Horo und Sentaro ist unverbesserlich in Sachen Frauen... Doch als Ayumis Eltern sie und ihren Freund Horo erwischen, wie sie aus dem Kino kommen, gerät alles aus dem Ruder, und Ayumi beschließt mit Horo durchzubrennen. Sentaro will sie davon abhalten, doch Ayumi ist fest entschlossen. Doch wird sie es wirklich tun, ihre geliebte Heimat und ihre Eltern verlassen?"

Diesmal wissen wir viel mehr über die Charaktere und ihre Motive - weil hier eine ganz andere Technik benutzt wurde: Es geht vor allem um die Beziehungen der Figuren, ihre Wünsche und die Hindernisse, die sie überwinden müssen.

Die Figuren und Beziehungen in einer Geschichte von Anfang an so gestalten, dass sich scheinbar unlösbare, aber dennoch sehr spannende Konflikte ergeben.

Hier wurden einige Tricks verwendet, die über die bloße Handlung hinausgehen und stärker bei den Figuren ansetzen: Ayumi und Sentaro müssen heiraten, aber sie wollen nicht. Und das ist nicht alles... denn Sentaro ist zu allem Überfluss auch noch ein Herzensbrecher, Ayumi will durchbrennen, und wir ahnen schon, dass da vielleicht doch noch etwas zwischen den beiden passieren könnte. Durch diese Konstellation gibt es von Anfang an so viele Möglichkeiten für Cliffhanger, dass die Leser garantiert keine Episode verpassen wollen.

Trick 3: Doppelt hält besser (Von Franziska Hebig)

"Namis Reise durch die Schattenwelt
Nami wird auf dem Schulheimweg von einem Zeitstrudel, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht, erfasst und in die »Welt der Schatten« gebracht. Sie ist auf dem kleinen Gnom James gelandet, der behauptet, ein englischer Adeliger zu sein. Beide wollen hier weg, doch treffen sie auf ihrem Weg auf ein Monster, das es auf Nami abgesehen hat. Das Monster wurde von der Herrin der Schatten beauftragt, das Licht der Welt, dass sich in Namis Körper befindet, zu ihr zu bringen. Dazu muss ihre Seele den Körper verlassen. Das Monster setzt zum Sprung an und will sich auf das Mädchen stürzen."

Und last but not least haben wir es hier mit einer Art Mischform der ersten beiden Tricks zu tun. Ein englischer Adeliger, der als Gnom unterwegs ist... ein ganz normales Mädchen, dem die Bösen das »Licht der Welt« wegnehmen wollen - und dann auch noch ein Monster, das gerade zum Sprung ansetzt als die Episode aufhört. Das ist eine Lösung, die besonders viel Stoff für spannende Fortsetzungen liefert: 

Die Figuren mit spannenden Konflikten und Eigenschaften ausstatten - UND die Episoden auf dem Höhepunkt der Handlung enden lassen.

Ganz egal, für welche Lösung Ihr euch entscheidet: Es kommt immer auf die Art der Geschichte an, denn eine allgemeingültige Formel für Cliffhanger gibt es eigentlich nicht. 

Das Wichtigste ist, dass ihr immer genau dann aufhört, wenn es gerade am Schönsten ist, das ist nämlich der berühmte

Trick 17 

den auch wir jetzt ganz hinterhältig anwenden. Diesmal gibt es nämlich keine Autoren-Hausaufgabe und wir verraten nur so viel: In der nächsten Folge haben wir eine besondere Überraschung für euch auf Lager! Bis dahin kaut schön Nägel, zählt die Tage, Stunden und Minuten - und fragt euch: Wie wird es wohl weitergehen?!


Lektion 10 - Das große Special!

Es ist so weit, das Warten hat sich gelohnt und wir lösen den fiesen Cliffhanger der letzten Lektion nun endlich auf und haben eine Überraschung für euch. Also los geht's, we proudly present unsere

Checklist für Manga- und Comicautoren

Es gibt zwar sicher kein perfektes Rezept für eine gute Manga- oder Comicstory, aber doch so einige Punkte die man beachten sollte. Und nach nunmehr zehn Lektionen haben sich schon ganz schön viele Tricks und Tipps angehäuft, die wir hier noch einmal alle für euch zusammengefasst haben.

1. Eine Storyline formulieren

Ganz egal, wie lang und ob stichwortartig oder ausformuliert - ohne einen roten Faden funktioniert keine Geschichte. Wer einfach so loslegt ohne einen groben Plot festzulegen, wird sich früher oder später in der eigenen Handlung verirren. Es lohnt sich deshalb immer, die vielen tollen Ideen zunächst mal zu ordnen. Am besten legt ihr vorher fest, wie viele Sätze es sein dürfen - das zwingt euch dazu, nur die wichtigsten Punkte klar zu benennen.

Aber Vorsicht: Werdet nicht zum »Sklaven« eurer Storyline! Sie kann sich während des Schreibens auch verändern, so was kann vorkommen. Hauptsache, ihr seid euch dessen bewusst. Manchmal lohnt es sich dann, die Storyline zu überarbeiten.

2. Story und Hauptfigur zusammenbringen

Auch die tollste Storyline hilft euch nicht weiter, wenn die Hauptfigur nicht funktioniert - genauso, wie umgekehrt. Beide Dinge gehören ganz eng zusammen, wobei jeder Autor seine eigene Technik hat. Manchmal gibt es schon eine Hauptfigur, obwohl die Geschichte noch gar nicht steht. Aber es kann auch sein, dass man zuerst viele Ideen für eine spannende Handlung hat und erst dann eine Hauptfigur findet. Ganz egal, wofür ihr euch entscheidet...

Wenn Ihr einmal das Motiv gefunden habt - also den dringendsten Wunsch, den großen Traum, usw. der Hauptfigur - dann habt ihr auch die Verbindung zwischen beiden Punkten herausgefunden.

3. Die Hauptfigur lebendig machen

Um die zentrale Figur eurer Geschichte müsst ihr euch besonders intensiv kümmern - da reicht es nicht aus, dass ihr selbst sie vielleicht ganz toll findet. Ein sehr guter Trick, um auch den Leser zum Fan eurer Hauptfigur zu machen, ist ein kleiner Steckbrief: So könnt ihr alle möglichen äußeren Merkmale (bis hin zur Schuhgröße) und auch den Charakter ganz genau festhalten. Ein Steckbrief kann so lang sein, wie ihr das wollt - Hauptsache, eure Hauptfigur entwickelt sich darin zu einer richtigen Persönlichkeit. Hier könnt ihr außerdem später immer wieder »nachschlagen« oder auch etwas ergänzen.

Kleiner Tipp: Überlegt mal ganz genau, warum ihr selbst andere Manga- und Comicfiguren so sehr mögt. Oft haben diese nämlich kleine, ganz besondere Ticks oder auch mal Fehler - eben wie ganz normale Menschen auch. Deshalb ist es oft spannender, die eigene Hauptfigur nicht komplett fehlerlos und perfekt zu gestalten!

4. Den großen Konflikt erkennen

Wenn ihr die Storyline und die Hauptfigur einigermaßen auf dem Schirm habt, werdet ihr irgendwann feststellen, dass eigentlich alles auf eine bestimmte Frage hinausläuft:

Was will meine Hauptfigur denn eigentlich am allerdringendsten erreichen bzw. vermeiden? Die Antwort darauf werdet ihr sicher schnell finden... Aber die Lösung des Problems (so kann man den Begriff »Konflikt« hier am einfachsten übersetzen) sollte für die Hauptfigur besser nicht ganz so einfach sein! Stattdessen sollte es alle möglichen Hindernisse geben, die die Hauptfigur überwinden muss. Warum? Na, ganz einfach: Weil ja sonst eure Geschichte ziemlich schnell langweilig würde oder gar zu Ende wäre!

Ein regelmäßiger »Motor-Check« kann da weiterhelfen: Überlegt zwischendurch immer mal wieder, wie weit die Hauptfigur noch vom Erreichen ihres Zieles oder Traumes entfernt ist. So vermeidet ihr Chaos in eurer Geschichte und könnt prüfen, ob ihr etwas verändern müsst (zum Beispiel die Beziehungen zu den Nebenfiguren).

5. Eine Erzählperspektive finden

Keine Panik: Das ist gar nicht so kompliziert! Es geht eigentlich nur darum, dass ihr euch selbst klar macht, wer in eurer Geschichte am meisten weiß, wer also der Erzähler ist. Meistens ist es die Hauptfigur, die alles erlebt und aus einer Ich-Perspektive berichtet (aber natürlich gibt es auch Ausnahmen!). Auf diese Weise stecken eure Leser sozusagen »im Kopf der Hauptfigur«, weil sie ihre Gefühle und Gedanken kennen. Oft passiert es ganz automatisch, dass man sich als Autor für diese Möglichkeit entscheidet.

Aber Vorsicht: Einmal damit angefangen, muss man auch bei der dieser Perspektive bleiben - sonst wird die ganze Geschichte unlogisch!

6. Die Zeitachse festlegen

Hört sich noch viel komplizierter an? Ist es aber nicht, sondern die einfachste Regel von allen: Wenn ihr, wie die meisten Autoren, eure Geschichte zum Beispiel in der Gegenwart spielen lassen wollt, dann könnt Ihr nicht einfach so in die Vergangenheit oder Zukunft wechseln. Schließlich baut Ihr ja eine ganz eigene Welt für eure Leser auf, in der diese sich auch zurechtfinden müssen. Aaaaber ihr könnt natürlich trotzdem...

Rückblenden (oder auch mal eine Vorschau) einbauen - nur muss diese eben klar als eine Art »Ausnahme« erkennbar sein.

7. Dialoge - üben, üben, üben

Sie sind das Wichtigste in jedem Comic und Manga - aber gleichzeitig auch das Schwierigste von allem. Wirklich gute Dialoge zu schreiben, lernt man eigentlich nur, indem man sie immer und immer wieder überarbeitet. Trotzdem gibt es ein paar Faustregeln: 

Weniger Erklärung - mehr Unterhaltung! Lasst eure Figuren wirklich miteinander sprechen, und nicht einander Vorträge halten, sonst wird es schnell langweilig. 

Weniger ist oft mehr! Es lohnt sich immer, einen Dialog mehrmals zu kürzen - denn meistens hat man ihn beim ersten Mal viel zu langatmig gestaltet. 

Laut vorlesen! Auch wenn ein Dialog auf dem Papier gut aussieht, kann man so noch einmal feststellen, wo es hakt.

8. Von Anfang an das Ende kennen

Besonders mit einer guten Storyline in der Hinterhand lässt sich schon sehr früh auf gelungene Cliffhanger hin arbeiten. Denn wenn man von Anfang an weiß, dass die Geschichte mehrere Episoden haben wird (es sei denn, ihr plant einen 500 Seiten-Wälzer von Manga oder Comic), kann man diese Episoden so aufteilen, dass es immer spannend bleibt.

Kleiner Tipp: Das beste Ende einer Episode ist meistens dann erreicht, wenn die Geschichte gerade kurz vor einer sehr entscheidenden Entwicklung steht... Also das Monster gerade um die Ecke kommt, oder jemandem eine extrem wichtige Frage gestellt wurde.


Und das war's! Viel Spaß und viel Erfolg beim Üben und Probieren!!