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Interview

Fortsetzung

Teil 2 des Interviews mit Uli Oesterle über dessen Comic "Hector Umbra" bei CARLSEN.

Panel aus "Hector Umbra"


Schikowski:
Deine Bildsprache besitzt eine große Variationsbreite. Vor allem dein Seitenlayout wirkt oftmals wie komponiert, aber niemals bemüht, sondern immer ganz sachlich dem Erzählfluss untergeordnet. Machst du dir beim Erzählen Gedanken darüber oder kommt das einfach aus dem Bauch heraus?
Oesterle: Die Bilder haben sich der Geschichte unterzuordnen. Ich lege die Panels, deren Abfolge und Anordnung auf einer Seite, vorher schon sehr genau in einem winzigen, sogenannten Thumbnail-Layout fest. Ich überlasse nichts dem Zufall oder gar meinem Bauch. Dabei achte ich darauf, überflüssige oder verwirrende Bilder zu vermeiden, außer die Handlung verlangt danach.

Schikowski: Wie bist du bei der Arbeit vorgegangen? Bestand zuerst das Skript für die ganze Geschichte und hast du dich dann an das Zeichnen gemacht oder anders gefragt: Stand das Ende bereits 2003 fest?
Oesterle: Ich schreibe die Geschichte zunächst komplett nieder, inklusive der meisten Dialoge, und mache mich dann ans Zeichnen. Ich gehe immer so vor, auch bei einem Einseiter. Ich hatte zwei oder drei Alternativen für das Ende. Es stand also bereits vor 2003 weitgehend fest. Ich wusste nur noch nicht, welche Version ich am Ende wählen würde.
Im Verlauf der zeichnerischen Umsetzung fügte ich zwar Szenen ein und eliminierte andere. Trotzdem stand das Gerüst von Anfang an.

Schikowski: Warum hat es eigentlich sechs lange Jahre gebraucht, bis Hector Umbra endlich beendet werden konnte?
Oesterle: Niemand bezahlt einem die Arbeit an so einem Comicprojekt. Alle Nase lang wird man gezwungen, die Arbeit daran zu unterbrechen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vor allem, wenn man im teuren München lebt. Hinzu kam eine halbjährige Zwangspause während des Verlagswechsels, in der nicht klar war, ob das Projekt überhaupt weitergeführt würde.
Ohne meine kleine Familie, die mich dabei sehr geduldig finanziell wie moralisch unterstützte, wäre der Band vermutlich 2015 fertig geworden.

Cover "Hector Umbra"



Schikowski:
Mir ist aufgefallen, dass die Texte des ersten Bandes überarbeitet wurden. Hast du auch grafisch etwas verändert? Denn über die Zeit hinweg wird sich doch auch sicherlich dein Stil leicht verändert haben.
Oesterle: Grafisch wurde eigentlich nichts verändert, nur geringfügig an der einen oder anderen Stelle, wo die Handlung es erforderte. Von einer Weiterentwicklung des Stils kann man sicherlich sprechen, aber ich denke, es fällt nicht weiter auf. Bei Band 3 zum Beispiel, habe ich die Originale der Wirtschaftlichkeit halber nur noch in Din A4 und Bleistift angelegt und später im Rechner die Kontraste angezogen. Die Schwarzflächen habe ich mit Marker gesetzt. Verbuchen wir diese Veränderung unter künstlerischer Freiheit.
Textlich musste ich häufig kürzen. Einfach weil der Text durch das verkleinerte Format oft nicht mehr in die Sprechblasen passte.

Schikowski: Du dankst vor allem auch ausführlich der Artillerie, einer Künstlergemeinschaft, darunter auch mehrere Comiczeichner. Wie muss man sich das Voranschreiten eines solchen Projektes und vor allem auch die Diskussionen im Alltag der Artillerie vorstellen?
Oesterle: Nachdem ich eine Geschichte als Manuskript niedergeschrieben habe, lasse ich das Pamphlet erst mal drei ausgewählte Leute lesen. Gibt es Einwände oder Anmerkungen dieser Personen, diskutiere ich mit ihnen darüber, lasse mir das Gesagte durch den Kopf gehen und ändere, falls nötig, irgendwelche Passagen. Manchmal werfe ich dann Szenen raus oder füge neue ein. Dasselbe gilt für die Phase des Zeichnens. Wenn ich mir nicht sicher bin, ob meine Seite vom Timing oder dem Verständnis funktioniert, gehe ich kurz nach nebenan und frage einen Kollegen: "Versteht man das?" Das ist eine gute Sache an der Artillerie, die auf Gegenseitigkeit beruht und die deren Mitglieder meist zu schätzen wissen.

Schikowski: Du bist ja nicht nur Comiczeichner, sondern auch Illustrator, und du entwirfst Storyboards. Zudem bist du auch recht erfolgreich als Logo-Designer, und ich weiß, dass das eine deiner großen Leidenschaften ist. Das ist eine Karriere, von der nur wenige Comic-Fans wissen. Erzähle doch bitte kurz etwas darüber.
Oesterle: Ich bin gerade dabei, diesen Zweig meiner Tätigkeiten weiter auszubauen und eine Website ausschließlich für Logos und Icons zu bauen. Ich hoffe, sie wird in den nächsten ein, zwei Monaten online sein. Comics und Logos sind sozusagen meine Spezialgebiete. Auf meiner Illustrations-Website www.oesterle-illustration.com kann man neben vielen Illustrationen und Comicseiten schon ein paar Logos sehen. Außerdem wird dort auch ein direkter Link zu jener Logo-Website zu finden sein.

Schikowski: Wird es weitere Abenteuer von Hector Umbra geben oder widmest du dich etwas völlig Neuem? Hast du schon zukünftige Comic-Projekte im Kopf?
Oesterle: Zuerst wird geerntet. Nach dem ganzen Stress will ich von Comics erst mal nichts wissen. Ich habe meine Familie durch das Mammutprojekt Hector Umbra sehr vernachlässigt.
Ob es noch weitere Hector-Abenteuer geben wird, mache ich ein bisschen davon abhängig, ob sich das Buch als Erfolg erweist. Weitere neue Comic-Projekte habe ich bereits in der Schublade, aber jetzt lege ich erst mal die Füße hoch und genieße die Ruhe.

Schikowski: Auf welchen Messen oder Festivals kann man dich in diesem Jahr antreffen?
Oesterle: Den Anfang macht die Buchmesse in Leipzig. Mitte März. Zu diesem Zeitpunkt ist das Buch wahrscheinlich gerade mal ein paar Stunden alt. Dort bin ich aber nur eineinhalb Tage. Um genau zu sein: von Donnerstagfrüh bis Freitagmittag.
Am selben Wochenende bin ich zu einem Comicfestival nach Warschau eingeladen. Dort werde ich die polnische Ausgabe von Hector Umbra signieren. Zwei Wochen später geht es in die Schweiz nach Luzern zum Fumetto-Festival. Ein sehr schönes, beschauliches Festival, das sich eher, aber nicht ausschließlich, avantgardistischen Künstlern widmet. Dort wird es neben vielen anderen Ausstellungen eine von Hector Umbra-Originalen und -Leinwänden geben. Mitte Juni habe ich eine große Ausstellung in meiner Heimatstadt. Den Rahmen bildet das Comicfestival München, das wieder sehr zentral am Marienplatz im alten Rathaus und den um die Ecke gelegenen Kunstarkaden stattfinden wird.
Das sind mal die ersten Termine, von denen ich bis jetzt weiß. Was nach dem Sommer sein wird, kann ich jetzt noch nicht mit Gewissheit sagen.

Schikowski: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Hector Umbra und allen kommenden Projekten.