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Interview mit Michael Kernbach, Autor der Religionssatire "Best of Gott"


Michael Kernbach

Michael Kernbach


Nonsignore Michael Kernbach erblickte im Jahre des Herre 1965 in der Domstadt zu Trier das Licht der Welt. Nach einer von geringem Wachstum und schwerer Pubertät geprägten Jugend erschien ihm der Meister in Gestalt seines WG-Nachbarn Guildo Horn, mit dem er sich in orthopädischen Strümpfen auf Pilgerfahrt nach Mendocino begab. In der Schlagerschlacht von Birmingham vernichtend geschlagen, lästerte Kernbach nach seiner Heimkehr in blinder Wut gegen den Kanzler Gerd, der ihn dafür mit einem Nummer 1 Hit schlug und in die alte Hauptstadt verbannte, wo er heute als Reimsiedler in einer Klause für Rockmusik jungen Padawan das Verzerren von Gitarren beibringt.


Michael Kernbach, der Prophet des Glaubens-Hoppings, ist recht medienscheu. Im vertraulichen Gespräch mit seinem Seelsorger hat er sich jedoch folgende Antworten entlocken lassen:

Frage: Herr Kernbach, glauben Sie an Gott?
Kernbach:
Also ich glaube, dass ich nicht nicht an einen Gott glaube. Oder an zwei. Oder drei.

Frage: Wie meinen Sie das?
Kernbach:
Es ist doch wie mit allen unbewiesenen Behauptungen: Am Ende stimmt's doch, und dann ist man der Depp. Ich habe einfach Angst davor, an den falschen Gott zu glauben. Oder irgendwann festzustellen, dass es zwar der richtige war, ich ihn aber falsch angebetet habe. Deshalb meine Methode des Glaubens-Hoppings: durch häufiges Konvertieren breit aufgestellt sein und gut gestreut in den Jenseitsfond investieren, damit man am endgültigen Ende irgendwie mit bei den Gewinnern ist. Nur im Fegefeuer statt in der Hölle zum Beispiel wäre doch schon eine nette Rendite. Und einen Platz am Katzentisch in Walhall ergattern nur findige Hopper und Glaubensfondsmanager.

Frage: Ihr Buch ist also auch wieder nur eine dieser agnostischen Attacken auf die Riten und Gebräuche der Religionsgemeinschaften und macht sich auf deren Kosten lustig.
Kernbach:
Moment! Riten und Gebräuche nennen Sie das? Auf den Gedanken, dass wir hier möglicherweise über den alleinseligmachenden Weg ins Jenseits sprechen, kommen Sie offenbar gar nicht! Für Sie sind strenge religiöse Regeln doch nur Folklore oder schlimmstenfalls politische Kontrollinstrumente!

Frage: Das ist eine unsinnige Unterstellung!
Kernbach:
Genau! Sehen Sie, mich treibt diese Frage wirklich um: Welcher Glaube ist denn nun der rechte? Oder sind das a l l e s nur Spinner?

Frage: Sie wollen uns also weismachen, dass Sie das alles bitterernst meinen?
Kernbach:
Wieder so ein Klischee! Religion = Ernst. Ha!

Frage: Herrgott, ist ja gut jetzt! Also, was wollen Sie eigentlich?
Kernbach:
Ich nehme mir einfach heraus, zu sagen: Falls Gott tatsächlich nur einer einzigen Glaubensgruppe den Stairway to Heaven verraten hat, na, da will ich doch wenigstens zeitweise auf den rechten Pfaden des Herrn gewandelt sein.

Frage : Und nach welchen Kriterien hoppen sie?
Kernbach:
Um es gleich zu sagen: Für's konsequente Glaubens-Hopping fehlen mir im Alltag leider die Zeit und auch die spirituelle Tiefe. Das ist mehr was für Rentner, Studenten, Hausfrauen, Priester, Angestellte mit unbefristetem Arbeitsvertrag oder andere Menschen ohne richtige Aufgabe. Ich empfehle aber, wo es geht, Religion zum Bestandteil der eigenen Work-Life-Balance zu machen und die jeweils ausgeübte Religion konsequent nach den eigenen Lebensbedürfnissen auszuwählen. Deswegen auch kein Bierernst. Glaube an Gott kann Spass machen! Es steht ja nirgends geschrieben: Du sollst nicht lachen oder sowas.

Frage: Ein Beispiel?
Kernbach:
Leute mit Figurproblemen sollten sich eine Zeitlang in den Janinismus vertiefen. Das verschafft - wegen der dort gebotenen rigide veganischen Ernährung und des permanenten Powerfastens - nicht nur die ultimative Bikinifigur, sondern auch noch eine Reihe hochinteressanter spiritueller Einsichten. Buddhas Gedanken sind viel tiefgehender als die der Weight-Watchers-Religion.
Wenn dann der Winter kommt, lohnt sich aber ein Hopping in den guten alten Katholizismus, wo ja sogar im gemeinsamen Gottesdienst Essen und Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Kein Wunder also, dass der Dalai Lama so dürre und Kardinal Lehmann so dick ist.

Frage: Und Ratzinger? Der ist doch nicht dick!
Kernbach:
Der ist meiner Meinung nach ein getarnter Glaubens-Hopper! Hören Sie dem doch mal genau zu, da ist eine Menge Buddhismus und auch eine Prise Protestantismus drin. Ich meine, der Kollege ist Papst. Ein echter Spitzenjob. So einer ist doch viel zu schlau, um nur auf ein Pferd zu setzen.

Frage: Wenn sie selbst gar kein so überaus religiöser Mensch sind, wie sind sie dann überhaupt auf die Idee zu Best of Gott gekommen?
Kernbach :
Daran ist ein lieber Freund schuld, der deutsche "Chefatheist" Michael Schmidt-Salomon, der mir seit Jahren nach der zweiten Flasche Killepitsch erklärt, dass es keinen Gott gibt. Da habe ich dann irgendwann im Vollrausch gesagt: "Wer ist Gott - mein Vorname bedeutet in Hebräisch ja "Wer ist wie Gott?" - und wenn ja, wieviele?" So sollte das Buch auch zuerst heißen, aber der Verlag fand den Titel unverkäuflich.

Frage: Woher stammt denn Ihre eindrucksvolle Kenntnis der zum Teil ja recht ausgefallenen Religionsgemeinschaften?
Kernbach:
Da gilt mein Dank dem Werk "Knaurs großer Religionsführer" mit seiner Beschreibung von 670 Religionen, Kirchen und Kulten. Alle, die ich mit Best of Gott für die Idee des Glaubens-Hoppings begeistern konnte, denen empfehle ich dieses großartige Lexikon, dass sich als einziges seiner Art auf einen Sitz von A - Z durchlesen lässt.

Frage: Haben sie dort denn eine Religion gefunden, die ihnen vom Lifestyle her am meisten zusagt? Die polygamen Mormonen etwa? Oder Rastafari?
Kernbach:
Sehen Sie, das sind die Vorteile, wenn man sich intensiver mit Glauben und ihren Regeln beschäftigt: Mormonen dürfen zwar mehrere Frauen haben, ok, aber sie dürfen kein Bier trinken. Also ist das eine Religion, die zum Beispiel am Samstag nachmittag keinen Spaß mehr macht: Sportschau, aber kein Bier, dafür drei Frauen. Das klingt doch wenig seligmachend, oder? Und die Rastafari haben geile Musik, sind aber sonst ziemlich unentspannt und irgendwie politisch total unkorrekte Spießer. Was aber nicht heißt, dass man nicht eine Zeitlang auch Jah anbeten sollte - zum Beispiel drei Tage lang auf dem Summersplash-Festival!

Frage: Und welche Religion gefällt IHNEN nun am besten?
Kernbach:
Also die melanesischen Paliau haben einst eine Zeitlang die Arbeit niedergelegt und am Strand auf das Schiff ihrer Ahnen gewartet. Das klingt nach mir. Allerdings hat das nicht geklappt, und darum wurde der Prophet Wapi kurzerhand aufgehängt. Da wäre ich dann auch wieder draußen gewesen.

Frage: Und wie steht's mit dem Jenseits? Haben sie da was gefunden?
Kernbach:
Ehrlich gesagt, da ist das Angebot der Internet-Religion "Church of the flying Spaghetti-Monster" kaum zu toppen. Dort gibt es einen Bierfluss und einen Pizzavulkan. Und auch wenn der Gründer dieser Religion noch lebt und sich bester Gesundheit erfreut, was ja für eine richtige Religion erstmal eher unüblich ist, bin ich gerne bereit, hier ein paar Monate Glauben zu investieren.

Frage: Sind fundamentalistische Glaubensausrichtungen wie etwa die der Kreationisten für sie auch noch gangbar?
Kernbach:
Logo! Nehmen sie mal die Sache mit den Sauriern. Die kann es laut Bibel ja nie gegeben haben. Da hat dann wohl jemand mal so einen 2-Meter-Oberschenkelknochen nach Rom geschickt und gefragt, wie denn dieser Fund mit dem alten Testament vereinbar sei. Antwort: Solche Knochen sind echt. Gott hat sie auf Erden verstreut, um uns zu prüfen. Das ist eine Fähigkeit zu denken, mit der man später als Anwalt stinkreich werden kann! Und solche Tricks lernt man nur durch Offenheit für's Glaubenshopping kennen!

Frage: Haben Sie denn nie Angst vor Anschlägen?
Kernbach:
Anschläge? So wie Luther damals? An der Kirchentür? Nein, ich plädiere ja für mehr Glauben! Und wer seinen bereits gefunden hat, kann ihn auch gerne behalten. Die anderen machen einen Schnupperkurs bei Gott & Co. und lernen viele Religionen mal von innen kennen. Das steigert die Toleranz gegenüber dem Glaubensfan vom anderen Verein. Es ist doch wie im Fußball: Ein paar wenige Hooligans Gottes versauen der breiten Masse doch den Spaß am Seligsein. Wir brauchen Fanfreundschaften in der Liga
Gottes. Und Glaubenshopping hilft dabei!


Göttlich!

Best of Gott

von Michael Kernbach
GOTT LIEBT DICH!
Aber welcher?

Nicht nur bei der Geldanlage,....  
Best of Gott