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Taxi Collectivo

reinhardkleist | 13 März, 2008 10:38

Havanna, 11.03.2008

 

Heute habe ich es geschafft, in einem Taxi Collectivo mitzufahren. Meine Freunde haben mir eingebläut, nicht mehr als 10 Pesos National zu bezahlen, nicht, weil ich nicht mehr Geld habe, sondern damit die Fahrer nicht auf die Idee kommen, nur noch Touristen mitzunehmen, weil sie denen mehr Geld abknöpfen können. Also: Man steht an einer Ecke und hält einen klapprigen Straßenkreuzer an und versucht ihn zu fragen, wohin er fährt, bevor die anderen Leute, die an derselben Stelle stehen, einem zuvorkommen und das Auto bereits besetzt haben. In so einen Schlitten passen gut und gerne acht Leute, und die Karren sind manchmal bereits zur Hälfte voll. Dann lässt man sich bis zur gewünschten Straßenecke mitnehmen und drückt dem Fahrer die zehn Pesos in die Hand – bevor der etwas sagen kann.Der Fahrer teilte mir mit, dass sein Wagen 1950 gebaut wurde und auf fünf Kilometer einen Liter Sprit verbraucht. Das meiste davon wird wahrscheinlich unverbrannt hinten wieder rausgeschleudert, da die Karren bestialisch stinken. Aber es ist ein großartiges Fahrerlebnis. Von dieser Federung kann man in neuen Autos nur träumen! 

So ist das mit dem Geld hier: Es gibt Pesos National, die wenig wert sind. Die offizielle Währung. Und dann gibt’s da noch die Pesos Convertibles (CUC), für die man in den Supermercados fast alles bekommt. Nur ist diese Währung für den normalen Kubaner nahezu unerreichbar, es sei denn, er hat Verwandte im Ausland oder arbeitet in der Touristenbranche. Der Rest versucht, über alle möglichen anderen Kanäle irgendwie an Pesos Convertibles zu kommen. Mit dem normalen Lohn kommt man nicht weit. Dazu kommen allerdings noch die Lebensmittelzuteilungen, die sogenannte Libreta.

Mein Spanisch wird langsam besser, ich schaffe es jetzt schon „hochgestochene“ Unterhaltungen über die aktuelle Tagespolitik zu führen. Der allgemeine Tenor ist, dass sich eh nichts ändert, auch wenn Fidel Castro offiziell als Präsident zurückgetreten ist und sein Bruder Raúl jetzt den Laden führt. „El  mismo“... das Gleiche. Meine Schwierigkeiten mit dem Versenden von Nachrichten habe ich erst einmal dank eines Hotels gelöst, von dem aus ich ins WWW einsteigen kann. Zu einem horrend teuren Preis: 12 CUC für zwei Stunden. Ein CUC ist etwas weniger als ein Euro. Aber es funktioniert, wenn auch extrem langsam. Das große Hotel am Ende der Straße ist so eine Art Zwischenwelt. Als ich in die extrem gediegene Hotellobby komme, fallen mir sofort die ganzen Macintoshs ins Auge, die die in die Sessel gefläzten betuchten Gäste vor sich haben: WLAN!!! Ich kann mein Glück kaum in Worte fassen. 
Bei meinen Streifzügen durch Havanna Centro und Havanna Viejo habe ich bisher nicht sehr viel zu Papier gebracht: Zu viele Eindrücke und zu wenig Ruhe, um sich mal für eine Viertelstunde hinzusetzen und sich auf eine Zeichnung zu konzentrieren. Ich habe mir vorgenommen, meine Beobachtungen ab jetzt schnell zu skizzieren und abends auszuarbeiten.

Die Eisdiele „Coppelia“, vielen bekannt aus dem Film „Erdbeer und Schokolade“:

Sie steht auf einem ziemlich großen Gelände und ist ein Meisterwerk der 60er-Jahre Betonbauweise. Draußen vor den vier Eingängen stehen lange Schlangen von Kubanern, vor dem Haupteingang sogar zwei: eine rechts, eine links rum. Immer mal wieder wird eine Gruppe von Leuten eingelassen. Einige Leute, darunter hauptsächlich Touristen, können einfach so durchgehen. Ich beschließe, mich anzustellen. Nach ca. einer halben Stunde bin ich drin. Die Zeit habe ich genutzt eine Zeichnung vom „Havanna Libre“-Hotel anzufertigen und mich mit einem sehr sympathischen Paar zu unterhalten. Sie ist Kinderpsychologin an einer Schule und er ist Werftarbeiter. Außerdem zeichnet er gerne Karikaturen, was er mir auch gleich bewiesen hat. Drinnen wird man an ein paar Barhocker gewiesen und die Bestellung wird aufgenommen. Meine Begleiter haben ihr eigenes Besteck mitgebracht. Schnell wird mir klar, dass diejenigen, die sich anstellen müssen, in Pesos National bezahlen. Diejenigen, die draußen oder im 2. Stock sitzen, bezahlen in CUC. Ob das Eis da besser ist, weiß ich nicht. Unten fand ich es perfekt.

Kommentare

toll dabei zu sein

Carola | 14/03/2008, 11:32

Hallo Reinhard,
ich lese dein Blog jeden Tag und bin schon immer ganz gespannt, was du so erlebst in Havanna. Du hast noch gar nix über deine Unterkunft erzählt, wohnst du im Hotel oder privat? Eine tolle Zeit wünsche ich dir, liebe Grüße, Carola

Re: Taxi Collectivo

Doc M | 15/03/2008, 17:47

Die Karikatur des Werftarbeiters - hat er sie dir geschenkt? Stell sie doch mal ins Netz! --- Und das Foto von dem Straßenkreuzer - hast du es gemacht? Für meinen Geschmack sieht es zu sehr nach Postkarte oder Havanna-Klischee aus.(Ist nicht bös gemeint, nur mein Eindruck...) -- Sehr spannend wäre, Fotos von den Menschen zu sehen die du triffst. Vielleicht gelingt es dir ja... Weiterhin viel Glück und jede Menge spannende Erfahrungen!

...Coppelia und Yara

Daniela | 07/04/2008, 23:32

... zwangsläufig landet man im Coppelia - in diesem großartigem Gebäude moderner Architektur mit den langen Menschenschlangen und dem legendären Eis. Auch das Kino Yara gegenüber gefiel mir gut (Ich liebe diese 50er Jahre Schriftzüge an den Gebäuden). Begibt man sich als Frau in eines der vielen Kinos hinein, kann es schnell etwas merkwürdig werden - mal abgesehen vom muffigen Geruch des Saals, setzen sich ständig Männer in die gleiche Kinoreihe - erst drei Sitze entfernt, dann zwei, dann ... einzige Maßnahme: starr auf die Kinoleinwand schauen und ignorieren.

Ps. Ich war im Febr. 08 in Kuba. Franz und Hardy waren zum Kuba-Abend bei mir und haben mir deinen Weblog-Link geschickt. Muchas gracias;-) So kann ich noch ein wenig mit-schwelgen.

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