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Havanna

reinhardkleist | 11 März, 2008 10:20

Havanna, 10.03.2008

An meinem ersten Tag in Havanna zeigt sich die Stadt noch etwas bedeckt.
Ich nutze den Vormittag, um im nächsten Laden etwas zum Frühstücken zu kaufen. Das Einkaufszentrum liegt direkt am Malecon, der berühmten Uferpromenade, die vom aufgeschäumten Meer überspült wird, sodass sie an einigen Stellen unpassierbar ist. Im Lebensmittelladen des schummrigen Supermercado fallen einem zuerst die vielen Angestellten ins Auge, die die etwas dünn bestückten Regale bewachen. Am Kühlregal für Milch wundere ich mich über H-Milch aus Deutschland und den horrenden Preis dafür. Kaffee und Zigaretten gibt es an einem Extratresen und die Tasche muss man an einer Garderobe abgeben, wie im Theater.

Mein Weg führt mich danach erstmal am Malecon entlang Richtung Hotel Nacional. Schon von Weitem höre ich das laute Geräusch von schwarzen Fahnen mit einem weißen Stern darauf, die an hohen Masten im Wind flattern. Sie stehen vor der amerikanischen Botschaft und verdecken die Sicht auf das Gebäude fast vollständig. Das ist wohl eine Form des Protests gegen die Außenpolitik Amerikas und soll den Botschaftsangestellten den Spaß an der Arbeit verderben, was diese mit einer unleserlichen Leuchtschrift kontern.
Jetzt kommt auch mal die Sonne raus und ich kann mich an den Kuba-Klischees erfreuen: Zusammenfallende Villen aus der Kolonialzeit und knatternde Oldtimer, die nur noch von werweißwas zusammengehalten werden. Aber sie fahren und das ist das Wichtigste an einem Auto.
Mein erster Eindruck der Stadt ist etwas getrübt von dem ruinösen Zustand der meisten Häuser, was für einen Bewunderer der Kolonialarchitektur wie mich schon bitter ist. Doch die Leute sind überaus freundlich und man hat sofort eine kleine Konversation. Wie zum Beispiel mit Angel, den ich in einem kleinen Café am Malecon treffe. Seine Freundin Claudia findet mich kräftig, muss allerdings aufs Bad, nachdem ich ihr eröffnet habe, dass ich einen festen Freund habe. Sie kommt danach auch nicht wieder zurück, sodass ich mich mit Angel unterhalte. Er spricht darüber, dass sie ja nicht verreisen können und er es mag, sich mit Fremden zu unterhalten, um etwas aus der Welt zu erfahren.

Nun, heute ist Montag und ich habe wegen der Zeitverschiebung meine erste Schlafkrise. Das macht mir schon zu schaffen. Weiterhin habe ich eine kleine Internetkrise, da es hier zwar Zugang zum sogenannten Intranet gibt, aber kaum zum WWW. Das Intranet ist ein kubainternes Netzwerk. Man kann nur Webseiten anschauen, die aus Kuba kommen, oder die vom Ministerium freigegeben sind. Nachrichten verschicken geht, allerdings nur über Outlook, da man auf Emaildienste wie Hotmail keinen Zugriff hat.

Kommentare

Gut gelandet

Claudia | 11/03/2008, 20:59

Lieber Reinhard,

es ist gut zu hören, dass Du gut in Havanna gelandet bist! Hoffentlich klappt es weiterhin einigermaßen mit dem Internet.
Eine gute erste Zeit und ein lieber Gruß,
Claudia

Re: Havanna

Doc M | 13/03/2008, 00:38

Ist super, dass es diesen Blog gibt, Reinhard. Ich bin gespannt auf alle Neuigkeiten und hoffe sehr, dass es dir möglichst oft gelingen wird, sie durch den kubanischen Flaschenhals ins world wide web zu zwängen. Keep on rockin

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